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Nokia ist in Indien noch groß

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von Stefan Mey aus New Delhi | 05.02.2012 | 13:51

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Nokia ist in Indien noch groß

Weltweit mag Nokia immer mehr Marktanteil gegenüber anderen Smartphone-Herstellern verlieren; in Indien geht es dem finnischen Konzern noch gut.

Nokia

Das Nokia X101 ist billig, hat Dual-SIM und eine Bank an Bord.

Der Markt für Smartphones ist in Indien noch klein - insgesamt wurden im Geschäftsjahr 2010/11 6,3 Millionen Stück verkauft; und Nokia hält hier einen Anteil von 62 Prozent. Mögen in westlichen Nationen Systeme wie Android oder iOS die Hosentaschen der Nutzer erobern, so ist in der Masse der 1,4 Milliarden Inder Symbian noch immer eine interessante Lösung.

Hintergrund ist, dass Nokia in Indien Dienste anbietet, die es in den westlichen Nationen nicht gibt, beziehungsweise in anderen Fällen einen Bedarf deckt, der anderen Anbietern noch nicht erfüllt wird.
Beispiel: Musik. In der Bollywood-affinen Bevölkerung sind fetzige Songs mit entsprechenden Videos unabdingbar, aus jedem Lokal und an jeder Straßenecke klingt Musik - und während in der westlichen Welt iTunes die Rolle des digitalen Musikvertriebs für sich beansprucht hat, ist Apple in Indien quasi nicht präsent. Nokia hingegen hat den größten Online-Musikladen Indiens mit „Nokia Music", sechs Millionen Songs können sich die Musikliebhaber auf ihre Geräte ziehen, weltweit sind zehn Millionen Songs erhältlich.

Bank auf dem Handy

Ausschließlich in Indien ist Nokia zudem mit dem Produkt „Nokia Money" präsent. Gemeinsam mit der Union Bank, einer indischen Großbank, wird in mehr als 200 Städten Banking auf simplen Handys angeboten: Über ein einfaches SMS-Protokoll können Bank-Services, wie etwa das Überweisen von Geld, genutzt werden. Das Nokia X101, das erste Handy mit dieser Funktion, ist um umgerechnet rund 30 Euro erhältlich; ab nun soll Nokia Money auf allen indischen Nokia-Handys vorinstalliert sein.

Ebenso wird in Indien und anderen Entwicklungsländern „Nokia Lifetools" angeboten, Zielgruppe ist die Bevölkerung in ländlichen Gebieten: Per SMS erhalten Bauern für sie relevante Information, etwa die aktuellen Preise für die Ernte im nächsten Dorf oder Unwetterwarnungen. Auch Bildung ist in Nokia Lifetools integriert: Per SMS lernt die ungebildete ländliche Bevölkerung ein englisches Wort pro Tag, zudem werden Informationen rund um Hygiene und Gesundheit versandt.

Beide Services - Money und Lifetools - sind durch das SMS-Protokoll auch auf Geräten erhältlich, die keine Smartphones sind. So kann auch eine Zielgruppe mit niedrigem Einkommen erreicht werden. „Die Vision ist, ein neues Indien über Technologie zu schaffen", sagt Poonam Kaul, Pressesprecherin von Nokia Indien. Durch die Verfügbarkeit von Bankservices und Bildung in ländlichen Gebieten können schon 600.000 Menschen wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Früher fuhren sie 20 Kilometer in die nächste Stadt, um sich von Mittelmännern über den Tisch ziehen zu lassen - heute fragen sie die Preise selbständig ab und arbeiten mit digitalen Bank-Überweisungen.

„Und kein anderer Mobilfunk-Anbieter bietet in Indien diese Services", sagt Kaul: „Das ist ein klarer Differentiator gegenüber dem Wettbewerb." Zudem sieht sie rosige Zeiten bevorstehen: Die Smartphone-Durchdringung ist noch gering, und in diesem Jahr sollen viele Kunden ihre alten Handys gegen moderne Geräte austauschen - entsprechend werden Nokias Windows-Smartphones aggressiv an den Point-of-Sale beworben.

NFC ist nicht tot

Denkt man an mobiles Bezahlen, so springt dem westlichen Kopf rasch der Begriff „NFC" in den Kopf: Geräte kommunizieren ohne direkten Kontakt miteinander und schicken einander Daten, so soll unter anderem bargeldlose Bezahlung über das Handy auch in entwickelten Volkswirtschaften Realität werden - doch das Konzept hebt noch immer nicht wirklich ab. In Indien experimentiert Nokia seit rund fünf Jahren mit NFC, doch die Infrastruktur fehlte dazu. Im Herbst 2011 wurde schließlich eine weitere Aktion zur Vermarktung gestartet, wie so oft auch diesmal mit dem Zugpferd Bollywood: Parallel zum Start des Blockbusters „Ra.One" mit Superstar Shah Rukh Khan konnten sich die Kunden in 400 Nokia-Shops Content rund um den Film herunterladen. Das Handy-Spiel zum Film brachte es in nur 13 Tagen auf eine Million Downloads. „NFC wird wohl weiterhin eine Nische bleiben", sagt Kaul: „Aber in Indien sehen wir Potenzial." Alle in diesem Jahr neu veröffentlichten Symbian-Handys in Indien werden über NFC verfügen.

Vertrieben werden diese Geräte dann über das größte Retail-Netzwerk Indiens: Nokia verkauft seine Geräte hier in über 200.000 Geschäften, alle 20 Quadratkilometer gibt es zumindest einen Nokia-Shop. Und die Produktion erfolgt ebenfalls im Inland: Mehr als 10.000 Mitarbeiter hat die indische Nokia-Fabrik, über 70 Prozent der Mitarbeiter sind weiblich. In nur viereinhalb Jahren wurden hier über 600 Millionen Geräte produziert; die Hälfte davon wurde exportiert, der Rest in Indien verkauft - und ein Markt, da sind sich die Finnen sicher, ist in Indien auf jeden Fall auch weiterhin vorhanden.

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