Freitag, 30. Juli 2010 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

"Wir haben uns beim Stummfilm bedient"

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Beatrice Bösiger | 31.07.2009 | 17:13

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

"Wir haben uns beim Stummfilm bedient"

Equalizent

Macht TV in Gebärdensprache: Georg Tschare

Für die meisten von uns sind die täglichen TV- oder Radionachrichten selbstverständlich. Was tun, wenn diese Möglichkeit fehlt? Für die Zielgruppe der Gehörlosen produziert der österreichische Internet-Sender signtime.tv seit Jänner 2009 täglich News und Reportagen aus verschiedenen Themenbereichen - alles in Gebärdensprache.


Warum ein TV-Programm ausschließlich in Gebärdensprache? Die Zielgruppe der rund 10.000 Gehörlosen in Österreich lässt sich mit Texten nur schwer erreichen, meint signtime.tv-Geschäftsführer Georg Tschare. „Schrift- und Lautsprache sind für die meisten gehörlosen Menschen Fremdsprachen". Wir erlernten Gebärdensprache um einiges leichter als Gehörlose die Lautsprache. Das ganze Unternehmen ist deshalb auch zweisprachig aufgebaut. Vor allem bei den Moderatoren wird darauf geachtet, dass sie als Muttersprache Gebärdensprache haben.


Entstanden ist die Idee für Signtime.tv vor einigen Jahren bei Equalizent, einem Schulungs- und Beratungszentrum für Gehörlose. Erleichtert wurde der Start durch die stärkere Verbreitung von Online-Videos und Breitband-Internet.

Fernsehen in Gebärdensprache zu produzieren hat durchaus seine Tücken. Problematisch ist die Ausleuchtung. Sind die Schatten zu stark und die Kontraste zu wenig scharf, passiert es leicht das die Zuseher drei statt zwei Finger vor sich sehen. Damit wird die Aussage undeutlich, meint Tschare. „Vergleichbar mit Bild- oder Tonrauschen bei herkömmlichen Medien". Auch für Außendrehs mussten eigene Formen entwickelt werden. Wo die meisten anderen TV-Sender aus Kostengründen auf eine Kamera setzen, braucht signtime.tv meist zwei. Der Grund: Wird ein Interview aufgezeichnet, muss eine Perspektive gefunden werden, wo alle vier Hände zu sehen sind. Anleihen genommen hat signtime.tv nicht zuletzt in der Filmgeschichte. „Wir haben dort angesetzt, wo der Stummfilm aufgehört hat", sagt Tschare. Filme von Buster Keaton oder Charlie Chaplin lieferten Ideen, wie eine Geschichte auch ohne Ton erzählt werden kann und wann doch noch Zwischentexte eingebaut werden müssen. Übersetzt werden nicht nur News und Reportagen, sondern auch Werbung. „Wir haben exklusiven Zugang zu einer Zielgruppe die bis dato kaum beworben wird", meint Tschare. Wird Werbung gebärdet und nicht nur gesprochen, werde diese meist gern konsumiert.

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

mehr Werbung & Medien…

mehr Fotogalerien>

Fotogalerien Media

  • Der ungewöhnlichste Pin-up-Kalender der Welt
    Wundersame Werbewelt

    Pin-Up-Kalender

    dpa
    Markennamen

    Entstehung berühmter Brands