Mittwoch, 23. Mai 2012 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

"Ein haarsträubender Unsinn, der nichts mit Wissenschaft zu tun hat"

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Elisabeth Prammer | 06.05.2011 | 14:23

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen

"Ein haarsträubender Unsinn, der nichts mit Wissenschaft zu tun hat"

"Das Ende des Geldes" provoziert Kritiker. Friedrich Schneider von der Universität Linz hält die Thesen von Hörmann und Pregetter für "haarsträubenden Unsinn" und gibt Entwarnung. (Wochenend-Dossier 25)

FOLTIN Jindrich / WB

Zitiert

Prof. Friedrich Schneider

Ich würde mir wünschen, dass viel sachlicher, engagierter und mit einer Zukunftsperspektive über unsere Schwierigkeiten diskutiert wird.

WirtschaftsBlatt: Herr Prof. Schneider, Sie halten die Gedanken von Pregetter und Hörmann für unwissenschaftlich. Warum?
Prof. Friedrich Schneider:
Franz Hörmann und Otmar Pregetter behaupten, dass in diesem Jahr sowohl der Dollar als auch der Euro zusammenbricht, dass es zu einer Hyperinflation kommt und dass der große Crash folgt. Ich betone, dass das ein haarsträubender Unsinn ist und dass es keinerlei wissenschaftliche Basis für derartige polemische und unqualifizierte Behauptungen gibt.

Polemisch und unwissenschaftlich - worauf basiert diese Einschätzung?
Schneider:
Es gibt keinerlei Anzeichen, die auf diesen totalen Crash auch nur annäherungsweise hindeuten. Das ist verantwortungslose Panikmache, die nur zur Verunsicherung beiträgt und die unter Umständen zu Fehlhandlungen führen kann, die es sonst nicht gegeben hätte.

Ist der Euro in Gefahr?
Schneider:
Wir haben in Mitteleuropa ein funktionierendes Geldsystem. Der Euro hat sich als viel besser erwiesen, als wir je gedacht haben. Er hat uns zehn Jahre lang Stabilität, Wohlstand und Wachstum beschert. Ohne den Euro ginge es uns wesentlich schlechter und würde man Geld ganz abschaffen, wäre ein modernes Wirtschaften gar nicht möglich.

Welchen Stellenwert geben Sie dem Geldsystem in unserer Wirtschaft und welchen wird es auch in Zukunft haben?
Schneider:
Ich möchte hervorheben, dass die Funktion des Geldes eine außerordentlich wichtige ist. Zum einen als Tausch und zum anderen als Wertaufbewahrungsmittel. Mit Hilfe der Entwicklung des Geldes konnten sich moderne Volkswirtschaften entwickeln und vielen Milliarden Menschen wurde zu großem Wohlstand verholfen. Man bedenke nur, welche Entwicklung China in den letzten 30 Jahren durchgemacht hat und hier hat ein funktionierendes Geld- und Finanzsystem eine entscheidende Rolle gespielt. Heute geht es mindestens 500 Millionen Chinesen richtig gut, bzw. sie haben in etwa unser Mittelstandsniveau.

Wie kann man trotzdem zielgerichtet auf Probleme hinweisen?
Schneider:
Ich würde mir wünschen, dass viel sachlicher, engagierter und mit einer Zukunftsperspektive über unsere Schwierigkeiten diskutiert wird. Stattdessen gibt es pure Polemik mit böswilligen Unterstellungen und falschen Behauptungen, dass dieses Jahr der große Crash kommt.

Was kritisieren Sie an der Darstellung von Hörmann und Pregetter?
Schneider:
Ich bedaure es außerordentlich, dass sowohl Hörmann als auch Pregetter ihre Ansichten in keinster Weise wissenschaftlich untermauern, sondern Behauptungen aufstellen, die zum Teil nicht einmal stimmen. Es gibt durchaus qualifizierte Facharbeiter, die zwischen 4.000 und 6.000 Euro im Monat verdienen. Dies gibt es in ganz Mitteleuropa, wo der Arbeitsmarkt funktioniert. Wer erstklassig ist, verdient viel.

Wie soll eine Diskussion um so ein heikles Thema Ihrer Meinung nach unbedingt erfolgen?
Schneider:
Es wäre wirklich schön gewesen, an einem einzigen Beispiel aufzuzeigen, warum es zu einem Zusammenbruch kommt und an einem einzigen Beispiel aufzuzeigen, wie ein Alternativsystem funktionieren würde. Auch wäre es schön gewesen, diese Thesen einer wissenschaftlichen Prüfung und einer wissenschaftlichen Diskussion zu unterziehen.

mehr Fotogalerien>

Fotogalerien 

  • Adventmärkte

    Kommet, ihr Wiener

    WB/Foltin
    Ski-Guide

    Die größten Skigebiete Österreichs

  • Colourbx
    Schuldenmanager

    Europas Finanzminister - wer...

    ATX-Ranking

    Die Aktien-Performance der Bosse

  • Formel 1

    Wie viel die F1-Piloten verdienen

    Aitik-Minie in Nordschweden bei Gällivare
    Härteeinlage

    Kupferabbau im Polarkreis

Umfrage

Die Krise in Griechenland schreckt Urlauber ab. Gegenüber dem Vorjahr sind die Buchungen bereits um 30 Prozent zurückgegangen. Würden Sie Ihren Sommerurlaub in Griechenland verbringen?
  • >> Zum Zwischenergebnis