Der Boom ist vorüber, doch das Geschäft läuft rund. Am heimischen Fitnesscenter-Markt wird es in den nächsten Jahren wohl keine großen Umsatzsprünge geben. Doch gibt es einige Trends, die die Branche hoffen lassen. So pilgern etwa immer mehr ältere Menschen in die Studios. (Wochenend-Dossier 16)
Österreichs Fitnessbranche stagniert, allerdings auf hohem Niveau: Der Gesamtumsatz heimischer Fitnesscenter belief sich im Jahr 2010 auf rund 214 Millionen €, wie eine Analyse des Marktforscher Kreutzer, Fischer & Partner belegt. Dies entspricht einem Minus von 0,8 Prozent im Vergleich zu 2009 (215,8 Millionen €). Auf lange Sicht gesehen, lässt Branche allerdings die Muskeln spielen.
Seit dem Jahr 2002 hat sich der Umsatz der Fitnesscenter beinahe verdoppelt. Damals konnte die Branche 119,0 Millionen € einfahren. Die Zeit der großen Umsatzsprünge, wie in den Jahren 2003 und 2004, als die Branche noch deutlich zweistellig wuchs, scheint nun vorbei zu sein. „Jetzt tut sich nicht mehr allzu viel, der Markt ist relativ gesättigt. Große Wachstumsraten sind nicht zu erwarten“, sagt kfp-Geschäftsführer Andreas Kreutzer. Es handle sich mittlerweile eher um einen Markt auf dem ein starker Verdrängungswettbewerb herrscht und vor allem die Fitnesstudioketten gnadenlos um Marktanteile rittern.
Generell lässt sich der Markt grob in vier verschiedene Studiokategorien aufteilen: So genannte Wellnesstudios, die zusätzlich zum Fitnessangebot über einen Wellnessbereich mit Sauna, Massage oder Swimmingpool verfügen, machen mittlerweile knapp die Hälfte des Marktes aus (48 Prozent). Dahinter folgen Multifunktionalstudios, die dem klassischen Charakter eines Fitnessstudios entsprechen mit 33 Prozent. Reine Kraftstudios finden sich im Gegensatz zu früher dagegen nur mehr verhältnismäßig wenig (neun Prozent). Ein aufstrebender Bereich ist dagegen der Bereich der reinen Frauenfitness, der mittlerweile acht Prozent des Marktes einnimmt.
Kette versus Einzelkämpfer
Insgesamt finden sich in Österreich rund 430 Fitnessstudios. Im Vergleich zu Ballungsräumen, wo Fitnessketten dominieren, entfällt der größte Anteil davon auf kleinere, eigentümergeführte Studios. „Ketten gewinnen allerdings immer mehr Marktanteile hinzu. Sie haben durch ihre Größe günstigere Kosten und eine breite Risikostreuung. Läuft ein Center nicht so gut, geht ein anderes besser. Der Zug geht auch in Österreich klar Richtung Fitnessketten“, so Kreutzer. Die größten Player am heimischen Markt gemessen am Umsatz sind John Harris, Club Danube und Injoy.
Doch was sagen Branchenvertreter selbst? John Harris-Eigentümer Ernst Minar sieht den Markt noch nicht gesättigt. „Der Markt wird noch ein bisschen steigen, gerade wegen der Generation 50plus, die verstärkt in Fitnessstudios geht. Ein irrsinniges Wachstum wird es nicht sein, aber ein paar Prozente sind in den nächsten Jahren sicher möglich“, sagt Minar. Die Kette John Harris, die im exklusiven Segment angesiedelt ist, betreibt derzeit sieben Filialen, fünf davon in Wien, eine jeweils in Steyr und Linz, in denen rund 15.000 Mitglieder trainieren. Studio Nummer Acht wird derzeit in Graz gebaut und soll Mitte 2012 eröffnet werden. Für das Jahr 2011 rechnet Minar mit rund 15 Millionen € Umsatz. Vor allem das Konzept Kraft und Ausdauertraining in Kombination mit Sauna, Massage und anderen Wellnessangeboten würde bei den Kunden gut ankommen. „Auch Yoga- und Pilateskurse gehen sehr gut“, ergänzt Minar. Zudem trägt sich John Harris mit Expansionsgedanken Richtung Osteuropa. „Es gibt aktuell Verhandlungen in Budapest“, sagt Minar.
Auch Großeltern wollen fit sein
Johann Klepp, Geschäftsführer der Club Danube Freizeitcenter, sieht in der Generation 50plus ebenfalls Potenzial: „ Auch die so genannten Großeltern wollen fit sein“. Ein Trend den Marktforscher Andreas Kreutzer bestätigen kann. „24 Prozent der insgesamt 425.000 Fitnessstudio-Mitglieder in Österreich sind zwischen 55 und 75 Jahre alt. Das Mitgliederwachstum kommt primär aus diesem Bereich“, erklärt Kreutzer. Kein Wunder, sind die älteren Generationen ein Hoffnungsträger, die das Fitnessgeschäft künftig mittragen sollen und auch über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen.
Club Danube betreibt zehn multifunktionale Center in Wien, die neben einem Fitnessangebot auch Ballsportarten wie Squash, Badminton und Tennis anbieten und gerade durch die Vielfalt des Angebots punkten. „Das Standard Bauch-Bein-Po Training hat stark abgenommen. Pilates, Enstpannungsübungen und Yoga sind gefragt“, sagt Klepp. Daneben gehe auch wie bei John Harris der Trainingstrend eher Richtung Ausdauer und weg vom altbackenen Muskelaufbau. Bei Club Danube betrug der Umsatz betrug im Jahr 2010 rund 15 Millionen €.
Auch bei der Fitnesskette Holmes Place will man von einem stagnierenden Markt nichts wissen. „Unsere Mitgliederzahl ist im Jahr 2010 um rund acht Prozent gewachsen“, sagt Neil Burton, seit 1. März neuer Regional Manager für Österreich bei der englischen Fitnesskette. Aktuell betreut das Unternehmen 24.000 Mitglieder in sechs Filialen, davon vier in Wien und eine jeweils in Salzburg und Linz. Bei Holmes Place würde besonders Personal Training immer mehr Menschen in die Studios ziehen. „In dem Bereich haben wir allein in den Monaten Jänner und Februar 2011 eine Zuwachsrate von 48 Prozent. Daher werden wir in die Richtung weiter ausbauen. Als nächstes ist auch individuelle Ernährungsberatung geplant“, erklärt Burton. Dass die Kette dem Markt noch einiges zutraut, macht sich auch durch den Zukauf der zwei ehemaligen Elixia-Clubs in Wien bemerkbar. Wie die Branchenkollegen sieht auch Holmes Place in älterem Publikum künftig Chancen. „Die Zahl der „Best Ager“ nimmt bei uns deutlich zu“, sagt Burton.
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