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Wir sind alle Isländer: Mit der Krise leben lernen

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von Beatrice Bösiger | 25.06.2009 | 20:34

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Wir sind alle Isländer: Mit der Krise leben lernen

Am 6. Oktober 2008 verkündete Premier Geir Haarde den Zusammenbruch des isländischen Finanzsystems. Zehn Porträts geben Aufschluss über den Alltag in der Finanzkrise.

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Buch-Tipp

Wir sind alle Isländer
Hat die Lage in Island mit uns so gar nichts zu tun? Gibt es vielleicht sogar etwas Positives, was sich aus der Krise ziehen lässt? Die beiden Autoren bieten keine ökonomische Abhandlung, sondern eine subjektive Analyse der Lage auf der Insel, die zum Symbol wurde.

"Früher nahmen Grubenarbeiter oft einen Kanarienvogel mit in die Minen. Solange er sang, war die Luft in Ordnung. Die Isländer waren die Kanarienvögel des internationalen Finanzkapitalismus. Ihnen blieb die Luft als Erste weg", so lautet die Kurzzusammenfassung der beiden Autoren zu den Ereignissen, die seit dem 6. Oktober 2008 über den kleinen Inselstaat im Nordatlantik hereingebrochen sind. Durch die internationale Finanzkrise gerieten die drei größten isländischen Banken, Landsbanku, Glitnir und Kaupthing, in Zahlungsschwierigkeiten. Das wirtschaftliche Volumen der Unternehmen überschritt jenes des Staates um das Zehnfache, was das isländische Finanzsystem an den Rand des Abgrundes brachte. Auch in Österreich versuchten diese Banken ihr Glück: Im September 2008 gestartet, mussten rund einen Monat später die Konten der Kaupthing-Bank schon wieder eingefroren werden. Nach 20 Tagen wurden die Einlagen rückerstattet - Kontoinhaber in Deutschland warteten bis Anfang dieser Woche auf eine Rückzahlung.

Hausgemachte Krise. So weit die offizielle Geschichte. Doch was macht die Krise mit den Menschen? "Öffentlich sind die Zeichen der Krise sehr schwer zu sehen", meint Halldór Gudmundsson. Auf den Straßen von Reykjavik seien nach wie vor viel Wohlstand und große Autos zu sehen. Die momentane Krise ist keine Krise der produzierenden Wirtschaft, sondern die Menschen leiden unter hohen Schulden. Gudmundsson: "Und diese sind im vergangenen Oktober mit einem Schlag über die Isländer hineingebrochen." Es geschah nicht schleichend wie in anderen Ländern. Kurz nach dem ersten Schock begann sich Unmut zu regen und die Menschen gingen auf die Straße. Die Größe der Demonstrationen habe auch ihn überrascht, meint Gudmundsson.

Die Leute brachten Töpfe und Pfannen mit und klopften vor dem Parlament stundenlang mit Löffeln und Gabeln darauf herum - der Anfang der sogenannten "Kochtopfrevolution". Die Proteste führten zum Zusammenbruch der Regierung, die Wahlen am 25.April endeten mit einem Sieg der Linken.

Island geriet allerdings nicht schuldlos in den Sog der internationalen Finanzkrise; die Krise ist hausgemacht und hat sich abgezeichnet. Der Inselstaat hat in den vergangenen Jahren eine Entwicklung durchlaufen, die dem Markt fast ungehindert freie Bahn ließ. 2002 wurden die Staatsbanken privatisiert, ein Beispiel für eine ungesunde Verflechtung von Wirtschaft und Politik: "Erst durch die Krise wurden diese Verflechtungen überhaupt sichtbar", sagt Gudmundsson. Fazit: Ein lesenswertes Buch, das zeigt, was passieren kann, wenn die Finanzkrise plötzlich vor der eigenen Türe steht.

 

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