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Natur als Mentor: Management durch Bionik

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von Stefan Mey | 30.10.2008 | 21:32

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Natur als Mentor: Management durch Bionik

Die Bestie als Führungskraft: Löwen delegieren ihre Arbeit an Profis, Fische bilden Schwärme und täuschen dadurch Größe vor, Viren sind stabile Gebilde. Was Manager von Tieren lernen.

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Der König der TIere schläft 20 Stunden pro Tag und delegiert gerne - wenn es aber nrenzlig wird, greift er hart durch

Ein Personalberater hat ein paar Jahrzehnte Zeit, um Konzepte zu entwicklen und damit als "erfahren" zu gelten - doch das ist herzlich wenig im Vergleich zur Tier- und Pflanzenwelt, die sich über Milliarden Jahre entwickelt hat. Auf dieser Überlegung beruht Bionik - eine Wissenschaft, in der Konzepte der Natur als Lösung für technische Probleme dienen.

Meist wird diese Fachrichtung in Technik und Industrie genutzt: Die Koordination von Fuhrparks über komplexe Sensorik wurde von Ameisen abgeschaut; Oberflächen selbstreinigender Gebäude sind Kopien der immer sauberen Lotusblüte. Doch auch für das Management hat die Biologie Vorschläge parat, denn schließlich herrschen im Tierreich ähnliche Regeln wie im Management: Unternehmen stehen im Wettbewerb miteinander; auch Tiere konkurrieren um Jagdreviere und Ruheräume.

Die Ansprache von Kunden ist mit tierischem Balzverhalten und dem Werben um eine Zielgruppe vergleichbar. Ressourcen - also Futter - müssen ökonomisch eingeteilt werden. Auch von der Organistaion von Herden kann gelernt werden: Bei Fischschwärmen gibt es keine Führungskraft; jedes Individuum orientiert sich am Nachbar-Fisch, dadurch täuschen viele kleine Wesen gemeinsam ein großes Ganzes vor.

Die beeindruckendste Führungskraft ist aber der König der Tiere: der Löwe. Er gilt als Symbol für Macht, Führungsstärke und Souveränität. Dabei ist er eher ein Faulpelz: Männchen schlafen bis zu 20 Stunden pro Tag. Sein Erfolgsrezept beruht nämlich darauf, möglichst wenig selbst zu tun und stattdessen Profis für sich arbeiten zu lassen. Aber: Wenn die Situation brenzlig wird, zeigt er Stärke.

Die Strategie des Löwen-Männchens kann als "Management by walking around" bezeichnet werden: Er lässt sich überall blicken und kontrolliert, ob alles nach Plan verläuft, ohne sich jedoch in die Jagd einzumischen - das ist bei den Löwen Frauensache. Der Vergleich zum Management: Ein Vorstand ist zwar präsent und kontrolliert, aber er eilt dem Techniker nicht zu Hilfe, wenn das IT-Netzwerk zusammen bricht - das wird den Profis überlassen.

Hart auf hart.

Wichtig ist dennoch: Durchgreifen, wenn es hart auf hart geht. Wenn das Rudel angegriffen wird, zeigt der Löwe Stärke und verteidigt sein Unternehmen gegen äußere Angreifer. Das gilt übrigens nicht nur für äußere Einflüsse: Auch innerhalb des Rudels muss sich das Männchen gegen Konkurrenten durchsetzen. Wer erinnert sich da nicht an Machtkämpfe innerhalb des Unternehmens? Die Anwendung der Löwenstrategie auf das Management wird im Buch "Faszination Bionik" von Kurt G. Blüchel und Fredmund Malik zusammen gefasst. (Details dazu: siehe Kasten)

Doch nicht nur von großen Tieren können Manager lernen; viel effektiver wird es, wenn man auf die mikroskopisch kleine Ebene geht, jene der Proteinstrukturen von Viren. Die sind nämlich als Ikosaeder aufgebaut - geometrische Figuren mit 20 Flächen. Von einer Ecke gehen jeweils fünf Kanten fort; das komplexe Gebilde ist dadurch sehr stabil. Die Architektur hat sich das bereits abgeschaut, um stabile Dome zu bauen.

Aber auch in der Organisation von Teams kann das System helfen. Karl-Heinz Oeller, Geschäftsleiter Management Cybernetics and Bionics am Malik Management Zentrum St. Gallen, erläutert: Fünf Personen (die "Kanten") bearbeiten ein Thema (die "Ecke"); fünf Kritiker beurteilen eine solche Session zwei Mal eine Minute lang. Zwei solcher Team-Konstellationen arbeiten an zwei Themen gleichzeitig; diese Team-Diskussionen werden durch Beobachter vernetzt (siehe Grafik).

Auf diese Weise wird laut Oeller 90 Prozent des relevanten Wissens in nur drei Tagen auf alle Teammitglieder verteilt. "Andere Unternehmen brauchen dafür Monate, falls es ihnen überhaupt gelingen sollte," zeigt sich Oeller begeistert. Nur ein weiteres Beispiel von vielen, wie wir uns weiter an den Lösungen der Natur orientieren können - egal, ob wir Löwen sind oder Ameisen.

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