von Andrea Möchel | 17.04.2009 | 12:36
Vercoachte Welt: Was Coaching bringt
Sind Sie heute schon gecoacht worden? Was ist Coaching überhaupt? Und was steckt hinter dem Konzept? Ein neues Buch erklärt, was Coaching leisten kann und was nicht.
Beim Coaching sollen Antworten auf berufliche und private Fragen gefunden werden
Facts
Coaching-Tipps
Der Coach muss Experte für professionelle Gespräche sein: Ein guter Coach muss effektive und empathische Gespräche führen können. Dazu gehört das Anhören und Hinhören, nicht sich selbst in Interpretationen und Hypothesen zu ergehen.
Lebenserfahrung: Ein guter Coach muss sich selbst kennen und seine Aussagen, Formulierungen und nonverbalen Aktivitäten stimmig einsetzen, um nicht beim Kunden abhängige Muster in Gang zu setzen.
Flexibles Vorgehen: Wichtige Erfordernis: Die Erfahrung des Coachs. Dazu gehört, dass mit ganzheitlichem Bezug und Verständnis für Komplexität gearbeitet wird.
Verschwiegenheit: Die Verschwiegenheit ist in den vergangenen Jahren an die erste Stelle der Erfordernisse an den Coach gerückt.
Zielorientierung: Gutes Coaching setzt sensibles Ermitteln der Ziele voraus. Diese Ziele müssen erfragt, hinterfragt und gemeinsam verbindlich vereinbart werden.
Der Coachee (also der, der gecoacht wird) braucht vor allem Selbstreflexionsfähigkeit: Wie weit man Situationen, Verhaltensweisen und sich selbst in Frage stellen und reflektieren kann, ist zentral.
Veränderungswillen: Wie weit ist man bereit, die Aufhellung blinder Flecken anzugehen, sich zielorientiert zu ändern und neues Verhalten lernen zu wollen?
Selbstverantwortlichkeit: Wie weit ist man bereit, nicht nur Ideen anderer zu übernehmen, sondern eigene Erkenntisse umzusetzen? Ein guter Coachee muss Mitverantwortung übernehmen. Motto: "Bin ich Teil der Lösung oder Teil des Problems? Ich bin immer ein Teil der Situation."
Stellen Sie sich bitte vor: Der Vater hat mittags ein Treffen mit seinem Business-Coach und abends ein Date mit dem Fitness-Coach. Der Sohn braucht ständig einen Schul-, manchmal auch einen Anti-Stress-Coach, während die Mutter sich abwechselnd mit dem Finanz- und dem Ernährungs-Coach berät. Die Tochter steht aktuell auf den Emotions-Coach. Der Eltern-Coach war ebenfalls schon im Einsatz, wurde aber vom Familien-Coach abgelöst. Woraufhin die Tochter einen Kopfweh-Coach aufsuchte...
Vercoachte Welt
"Das ist kein echtes Szenario, aber es könnte bei den heutigen Angeboten und Hilfeschreien bald so sein", befürchtet Unternehmensberater und Coach-Ausbilder Werner Vogelauer. Coaching ist heute überrall drauf. Aber ist es auch wirklich überall drin? Keineswegs, warnen internationale Coaching-Experten im soeben erschienen Buch "Mythos Coaching". Dabei hat der Siegeszug des Coachings in den vergangenen zehn Jahren nicht nur die Wirtschaft erobert, sondern auch die private Sphäre - die Folge: Eine Inflation der "Bindestrich-Coachings" mit zweifelhaften Angeboten, vom Abnehm- bis zum Geld-Coach.
Oft ist das nicht mehr als ein paar Instant-Rezepte für Klienten, die einfache (Schein)-Lösungen lieben. Je mehr Coaching zum Modebegrifff wurde, desto unklarer und widersprüchlicher wurden die Inhalte. Elemente wie Beratung und Psychotherapie kamen ebenfalls ins Spiel. "Dabei wurde Coaching ursprünglich als Unterstützung für Personen mit Erfahrung verwendet, die sich auskannten, aber eben ihre blinden Flecken hatten", weiß Vogelauer. Die brauchten Ideen und Gesprächszeit, um selbstständig weiter denken zu können und in ihrem Metier aktiv weiterzuarbeiten.
* Beim Coaching geht es nicht um Experten-Tipps, die schnelle und simple Lösungen bieten.
* Coaching ist aber auch nicht einfach Beratung. Der Coach soll den Klienten zum selbstständigen Weiterdenken veranlassen. "Der Coach ist nicht der Fahrlehrer, der brems- und lenkbereit neben dem Coachee sitzt, sondern der Begleiter, der auf dem Rücksitz Platz genommen hat," definiert Marian Dermota, Coach in Wien.
* Coaching ist nicht gleich Supervision- dort steht Lernen und Verstehen im Vordergrund, das Handeln aber im Hintergrund. Beim Coaching ist es genau umgekehrt.
* Coaching und Psychotherapie unterscheiden sich wesentlich. "Coaching findet in einem relativ kurzen Zeitrahmen statt und soll helfen, spezifische Anforderungen aus eigener Kraft besser zu bewältigen", erklärt Marius Neukom, Coach und Psychotherapeut. "Psychotherapie braucht wesentlich mehr Zeit und zielt auf Veränderungen der ganzen Person ab." Auffällige Gemeinsamkeit: Wesentlich für den Erfolg ist die gute Beziehung der Beteiligten zueinander.
Executive-Coaching
"Erstes Erfordernis für einen erfolgreichen Coaching-Prozess ist, dass die beiden Gesprächspartner kompatibel sind", betont Dermota. "Das Alter muss stimmen und die Erfahrung im konkreten Betriebsalltag muss glaubhaft gegeben sein." Das spielt besonders beim Coaching von Führungskräften eine große Rolle. Executives leiden oft über Jahre an einem "Feedback-Vakuum", weil ihnen Informationen, besonders die über ihren eigenen Führungsstil, nur geschönt mitgeteilt werden. Ein guter Exekutive-Coach muss also einerseits eine Art Katalysator und Unterstützer bei fachlichen Problemen sein, und den Executive durch gezielte Informationen in der Entwicklung seines persönlichen Verhaltens unterstützen. Dafür muss er ihm auch den Spiegel vorhalten, was nur funktioniert, wenn die persönliche Chemie stimmt und Coach und Coachee auf gleicher Augenhöhe sind. "Die aufmerksame Anwesenheit alleine kann bereits einen erheblichen Lösungsanteil liefern", sagt Dermota. "Manager sind schließlich auch nur Menschen."
1 Kommentar
Coaching vielseitig
Vieles wird übertrieben und als Coaching hochstilisiert, was m.E. nicht als Coaching durchgeht. Wer sucht, der informiere sich bei den Verbänden umfassend, was hinter welchem Konzept steckt oder lasse sich ausführlich von einem potenziellen Coach beraten. Wenn dieser professionell ist, kann er seinen Ansatz auch vor dem Hintergrund konkurrierender Konzepte darstellen. Wer nur seinen Ansatz kennt und nicht argumentativ abgrenzen kann, hat in der Szene nichts verloren. Der Coach muss wissen, zu welcher "Schule" er gehört. Tobias Illig (coaching@tobiasillig.com)
Von Gast: Gast: TobiasIllig am 05.05.2009 um 20:09
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