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Manager jagen die besten Mitarbeiter

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von Kathrin Gulnerits | 18.09.2009 | 10:40

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Manager jagen die besten Mitarbeiter

Jobmarkt. Unternehmen haben wieder Rekrutierungsbedarf, belegt eine aktuelle Studie. Doch in Krisenzeiten wird nicht aufgestockt, sondern ausgetauscht. Besonders begehrt sind die Besten ihrer jeweiligen Branche - und die findet man bevorzugt bei der Konkurrenz.

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Jahresbruttegehälter (Durchschn.), Variable Gehaltsbestandteile

Im Detail

Variable Teile des Gehalts sind heuer stark zurückgegangen. Der Grund: Im Schnitt wurden vom Vorstand laut C2X-Erhebung nur 43 Prozent der gesteckten Ziele erreicht, was deutlich weniger Geld bedeutet.

Triste Stimmung am Arbeitsmarkt", "Düstere Aussichten für Stellensuchende", "Keine Entspannung in Sicht": Schlagzeilen wie diese bestimmen derzeit den Jobmarkt. Und dann das: "Mitarbeiter werden händeringend gesucht!" Kein Scherz, sondern das Ergebnis einer aktuellen Befragung der Unternehmensberatung C2X und der Personalberatung Teamforce für das Update zum Handbuch "Die Gehälter Österreichs 2009". 62 Prozent der 379 befragten Personalverantwortlichen haben auf die Frage zur Lage am Arbeitsmarkt geantwortet: Ja, wir haben Rekrutierungsbedarf. Zum Vergleich: Bei der Umfrage vor einem Jahr waren es knapp 78 Prozent. Definitiv keinen Personalbedarf haben derzeit nur 13,7 Prozent (2008: 8,8 Prozent).

Gehaltsexperte Bruno Gangel von C2X erklärt dazu: "Viele Unternehmen haben ziemlich heftig den Personalstand reduziert, teilweise um bis zu 15 Prozent - und da war nicht nur Leihpersonal dabei. Aber irgendwann ist der Boden erreicht."

Nach Ansicht von Michael Podlaha, Geschäftsführer von Teamforce, haben die Unternehmen die vergangenen sechs Monate genutzt, um ihre Hausaufgaben zu machen: Wo sind Schwachstellen? Wie ist es um meine Mannschaft bestellt? "Es ging nicht darum, wer ist teuer und den köpft man. Vielmehr hat man geschaut, wo sind die Highflyer und wo die Low Performer? Letztere wurden und werden ersetzt."

Waren viele früher froh, einfach nur genug Leute für die anfallende Arbeit zu haben, will man jetzt möglichst die Besten für den Job in den eigenen Reihen sitzen haben. Logische Folge: Mehr Rekrutierungsbedarf. "Aufstocken à la: Jetzt brauchen wir zum vierten Mitarbeiter noch einen fünften dazu, hat es weniger gegeben. Wir tauschen jetzt vielmehr massiv Leute zwischen den Unternehmen aus."

Stefan Steger, Heidrick & Struggles, meint über das Recruiting am Executive Markt: "Punktuell werden da schon die sogenannten Low Performer ausgetauscht." Müssen sich die Low Performer in den Unternehmen nun also warm anziehen? Judith Novak, Anova-HR Consulting: "Es stimmt, dass Rekrutingbedarf derzeit nicht im klassischen Sinne gegeben ist. In dieser besonderen Wirtschaftssituation wird vermehrtes Augenmerk auf hoch qualifizierte, fachlich kompetente Menschen mit Persönlichkeit gerichtet ist."

Rosige Aussichten.

Hans Jorda, Neumann & Partners, sagt: "Firmen haben sich im letzten Jahr zu Tode gespart und sich radikal von Leuten getrennt. Jetzt haben sie das Problem, dass ihnen diese Leute fehlen." Doch die dringend gesuchten Mitarbeiter sind Mangelware, auch wenn so manche Krisenschlagzeile von scharenweise gefeuerten Finanzexperten das Gegenteil vermuten lässt. "Wir haben aktuell einen sehr ambivalenten Jobmarkt. Es wird rund um ein Drittel weniger gesucht als noch vor einem Jahr. Es sind aber auch um ein Drittel weniger Kandidaten am Markt. Der Rekrutierungsbedarf hat sich rückblickend deutlich verbessert und wird wohl auch langfristig stabil bleiben", sagt Gangel.

Zurücklehnen können sich vor allem jene, die Jobs im Vertrieb und Marketing haben, wo mit 59,4 Prozent derzeit die meisten gesuchten Positionen zu finden sind. Bei der Befragung vor einem Jahr lag dieser Wert bei 37,6 Prozent. Rosige Aussichten haben auch Finanz- und Rechnungswesenexperten (2009: 47,8 Prozent; 2008: 30,5 Prozent) bzw. Mitarbeiter in der Administration, die mit 23 Prozent auf Platz drei im Ranking vorrücken. Vor einem Jahr nahmen diese Position noch die IT-Experten ein.

Beispiel Vertrieb: Gesucht wird alles - vom einfachen Vertriebsmitarbeiter bis zum Top-Accounter. "Das sind klassische Austauschpositionen", sagt Gangel. "Drei müssen gehen, dafür kommen zwei Neue." Einzig was die Nachfrage nach Marketingkräften angeht, sind sich die Experten nicht einig. Podlaha: "Das spüre ich nicht so. Wir haben nach wie vor das leidige Finanz- und Technikerproblem."

Probleme hat der Personalexperte auch mit den Ansichten von so manchem suchenden Unternehmen. Dass heute Suchprozesse nicht mehr nach drei bis vier Wochen abgeschlossen sind, sondern bis zu vier Monate dauern, hat sich herumgesprochen. Podlaha stört, dass zu wenig in Alternativen gedacht wird. "Die sind sehr verfahren in ihren Vorstellungen, wen oder was sie haben wollen." Die Firmen seien nicht bereit, Abstriche zu machen, sondern wollen den Wunderwuzzi - aber der sei ausgestorben. "Die Bereitschaft, Mitarbeitern fehlende Qualifikationen selbst beizubringen, ist gering."

Pokern vorbei.

Dass der Markt leergefegt ist, wissen die Personalchefs; auch die Kandidaten kennen ihren Marktwert. Unternehmen brauchen sich dennoch keine Sorgen machen, dass überzogene Gehaltsforderungen von Wunschkandidaten das Budget sprengen. Podlaha: "Wenn Leute in Zeiten wie diesen wechseln, dann sind sie an Stabilität und Langfristigkeit interessiert. Das Gehalt steht ziemlich an letzter Stelle. Dafür ist das Sicherheitsdenken sehr hoch." Auch Gehaltsexperte Bruno Gangel bestätigt das: "Das Pokern à la, Hey, ich habe zwar einen Job, aber ich schaue mal, ob es was Besseres gibt', ist vorbei. Es wird auch kein Jobangebot wegen überzogener Gehaltsvorstellungen aufs Spiel gesetzt."

Düster schaut der Jobmarkt freilich für jene aus, die in puncto Aus- und Weiterbildung eher eine ruhige Kugel geschoben haben. Was in guten Zeiten gereicht hat, um ein Auskommen zu haben, kann sich in schlechten Zeiten als Bumerang erweisen. Podlaha: "Es gibt genug Vertriebler, wenn man die scharf auf Englisch anredet, fallen die tot um. Verlierer sind jene, die auf den dicken Papa vertrauen, der aufpasst, und der heißt im Notfall Staat Österreich." Auch das erklärt, warum auf der einen Seite der Arbeitsmarkt ausgedünnt ist und auf der anderen Seite die Arbeitslosenzahlen nach oben klettern.

Ausruhen dürfen sich aber auch die Unternehmen nicht - Stichwort Employer Branding. Markenpolitik und Image eines Unternehmens werden wieder wichtiger. "Ein guter Name wird mit Stabilität gleichgesetzt", sagt Gangel. Früher hat es den Kandidaten gereicht, nicht zur Nummer 1 zu gehen, wenn das andere Unternehmen dafür mehr Freiraum geboten hat. Dieses Risiko wird heute nicht mehr in Kauf genommen."

Magerkur.

Wie geht es weiter? Laut Befragung sind die Planungen der Unternehmen für die nächsten zwölf Monate sehr zurückhaltend. Großzügige Personalaufstockung? Eher nein. Verständlich, wie ein Blick auf die erhobenen Zahlen zeigt: Im Vergleich zum Sommer 2008 haben die Befragungsteilnehmer durchschnittlich 1,4 Prozent Umsatz und 9,4 Prozent Gewinn verloren. In den nächsten Monaten erwarten nur 24,8 Prozent eine Geschäftsverbesserung, 47,8 Prozent ein Gleichbleiben und 27,4 Prozent sogar eine weitere Verschlechterung. Gangel: "Was an Fett in den vergangenen Jahren angesetzt wurde, ist jetzt weg und soll auch nicht wieder angebaut werden. Die fünf bis acht Prozent Fluktuation werden ersetzt, darüber hinaus wird nichts aufgebaut werden. Im Moment haben wir eine Seitwärtsbewegung des Marktes."

Wie wird das das Geldbörserl der Mitarbeiter beeinflussen? Die Experten beruhigen. "Die Gehälter haben sich - soweit sie vernünftig waren - im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Die Mobilitätsprämien, die den Markt angeheizt haben, sind weg. Nächstes Jahr werden wir ein Null-Wachstum bei den Gehältern haben", sagt Gangel. Dramatisch ist der Einbruch bei den variablen Bezügen. "Die wurden in erheblichem Umfang verändert. Da kann es - speziell im Vertrieb - schon zu einer Reduktion von zehn Prozent kommen." Auch die Unternehmen werden weiter ihre Personalkosten drücken.

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