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Die Weltsprache des Business

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von Alexandra Rotter | 19.02.2010 | 12:22

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Die Weltsprache des Business

Wie viel Englisch ist gut genug? Ein Ex-Manager sagt, "Globish", einfaches Englisch mit 1500 Vokabeln, reicht, damit sich alle Welt verständigen kann. Doch Personalisten und Sprachtrainer sind sich einig: Im Geschäftsleben muss es mehr als Globish sein.

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Die Welt kommuniziert auf Englisch, Die Kunstsprache Globish setzt sich nicht durch.

Facts

TOEFL & Co.
Personalisten verlangen selten Zertifikate wie TOEFL oder IELTS - diese werden eher von Studenten gemacht, die sich an englischsprachigen Unis bewerben. Im Business sind die vom Europarat definierten Einstufungen A1, A2 (Elementare Sprachverwendung), B1, B2 (Selbstständige Sprachverwendung) und C1, C2 (Kompetente Sprachverwendung) üblich. Sprachschulen bieten Tests an. Manche Firmen führen eigene Tests durch. Immer öfter werden Bewerbungsgespräche auf Englisch geführt.

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WB/Foltin

Kitty Loewenstein, Direktorin des Sprachinstituts Spidi Language

Zitiert

Kitty Loewenstein, Direktorin des Sprachinstituts Spidi Language

Es gibt nicht nur ein Englisch, nicht einmal alle Muttersprachler haben eine einheitliche Sprache.

Sich auf Englisch zu verständigen und ein Grundwortschatz darin wird heute für 90 Prozent der Jobs vorausgesetzt", sagt Thomas Traxler, Partner der Aristid Personalberatung. Trotzdem tun sich immer noch viele schwer damit. Sogar in hochdotierten Posten kommt man mitunter mit gebrochenem Englisch durch. So machte sich der deutsche Außenminister Guido Westerwelle bei der ersten Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg zur Lachnummer, als er sich partout weigerte, einem BBC-Reporter in der Weltsprache zu antworten. Das war vielleicht auch besser so, wie Interview-Mitschnitte auf Youtube vermuten lassen. Ähnlich geht und ging es heimischen Politikern, denkt man etwa an Hubert "The world in Vorarlberg is too small" Gorbach, der den "Übelsetzer-Preis" 2007 erhielt. Zuletzt machte Johannes Hahn von sich reden, der beim EU-Hearing lediglich auf Deutsch antwortete.

In der Wirtschaft ist so etwas nicht möglich, werden manche einwenden. Der ehemalige IBM-Manager Jean-Paul Nerrière hatte im Job mit vielen Nationalitäten zu tun. Die Menschen in Japan, Korea und überall auf der Welt seien froh gewesen, ihr Business mit ihm zu machen, "denn ihr Englisch war ebenso limitiert wie meines", erzählt er per Video auf seiner Website www.globish.com in schönstem, französisch gefärbtem "Globish", wie er seine Sprache nennt. Globish basiert auf Englisch, kommt mit 1500 Vokabeln aus, hat einfache Satzstrukturen und vermeidet Idiome und Sprachwitz. "Nicht perfekt, aber verständlich" lautet der Leitsatz.

Speak globish. Nerrière zieht mit Globish einen klugen PR-Schachzug: Er macht etwas, was bisher als Not empfunden wurde, zur Tugend. Dafür wird er weltweit von Sprachwissenschaftlern, die den Verlust des geschliffenen Englisch fürchten, kritisiert. Auch Barbara Seidlhofer ist kritisch: "Von Globish halte ich nicht viel." Doch der Ansatz gefällt der Sprachwissenschafterin insofern, "als er provokant ist und zum Ausdruck bringt, dass das globale Englisch nicht den Englisch-Native Speakers gehören kann." Es wird zwischen dem Englisch der Muttersprachler und Englisch als Lingua franca (ELF) unterschieden, was beispielsweise sich ständig verändernde Verkehrssprache bedeutet. Seidlhofer, die an der Uni Wien arbeitet, erforscht, was sich "im Echtbetrieb als kommunikativ wichtig erweist und was nicht". Es ist nicht der große Wortschatz, die "typisch englischen" Ausdrücke oder die perfekte Grammatik, sondern unter anderem "die Vermeidung besonders idiomatischer Redewendungen und die richtige Einschätzung der Sprachkenntnisse der Gesprächspartner". Ganz wichtig sei es, sich auf sein Gegenüber einzustellen. "Die Korrektheit ist den echten ELF-Sprechern, zum Beispiel in von uns analysierten Business-Meetings, aber völlig egal."

Kein Standard-Englisch. Kitty Loewenstein, Direktorin des Spracheninstituts Spidi Language, macht allen Mut, die glauben, das muttersprachliche Englisch verinnerlichen zu müssen: "Es gibt nicht nur ein Englisch, nicht einmal alle Muttersprachler haben eine einheitliche Sprache. Es ist deshalb natürlich, dass Italiener, Österreicher, Tschechen ihre Varianten von Englisch entwickeln." Aber welches Englisch soll man lernen? Globish ist ihrer Ansicht nach nicht die Antwort. Sie rät, möglichst viele verschieden gefärbte "Englisches" zu hören, etwa auf CNN, BBC und im Internet. Vor allem sollten wir aber eines lernen: "Es gibt kein Richtig und Falsch." Diese Idee, die uns die Schule vermittelt hat, "ist höchst unproduktiv", denn viele trauen sich gar nicht zu reden.

"Bevor Leute mit wenig Englischkenntnissen gar nicht kommunizieren, sollen sie Fehler machen", sagt auch Gerhild Schutti, Sprachen-Referentin des Wifi. Globish sei ein Reduktionismus von Global English und reicht ihrer Ansicht nach nur, um sich auf Reisen verständlich zu machen. Komplexe Sachverhalte, wie im Business erforderlich, könnten nicht ausgedrückt werden, ganz zu schweigen von Fachvokabular. Personalberater Traxler glaubt, "dass der Hauptteil der Kommunikation in Fachenglisch stattfindet." Gerade in Expertenfunktionen stehe Fachvokabular im Vordergrund, grammatikalische Feinheiten seien untergeordnet. Im oberen Management sowie im internationalen Vertrieb sei es wichtig, auch Small Talk führen zu können und Fettnäpfchen zu vermeiden.

Wie es aussieht, wird sich in Lebensläufen künftig keine Zeile mit Globish finden. Gerhild Schutti: "Globish ist in gewissem Sinn eine Kunstsprache, die sich wie Esperanto nicht durchsetzen wird."

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