
|
Dialog-backdrop Aussteigen auf Zeit und den Kopf frei machenFasten ist mehr als nichts essen. Es zwingt zur Ruhe, reinigt nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf. Das WirtschaftsBlatt fragte drei Unternehmer, warum sie fasten. Karin Hammer, Geschäftsführerin der Agentur Freie Digitale, hat ein starkes Jahr hinter sich: Urlaub war heuer nicht drin. Entsprechend wenig Energie ist noch übrig. „Ich kann nichts mehr aufnehmen", sagt sie. Bis Weihnachten sind es zwar nur noch zwei Wochen, aber Hammer ist alles andere als in Weihnachtsstimmung - es wird ein „Weihnachten last minute". Der große Lichtblick: Im Jänner fährt sie für zwei Wochen zum Fasten ins Dungl-Resort. Sie hat schon mehrmals gefastet: „Ich zwinge mich dazu, Ruhe zu geben. Es ist für mich ein Aussteigen aus dem ganzen Larifari, nicht nur beruflich." Zwei Wochen gehören dann ganz ihr: Kein Fernsehen, keine Zeitungen, kein Internet - das fällt Hammer, die in der Online- und Mobile-Welt zuhause ist, besonders schwer. Das Ende des „Aussteigens auf Zeit" ist für sie stets Neuanfang: „Fasten heißt für mich: Energie frei machen. Wenn sie frei ist, hast du den Kopf frei und es kommen wieder neue Ideen." Wer fastet, wird sensibler Zum Abschalten im wahrsten Sinn des Wortes rät auch Manfred Spahn den Teilnehmern bei seinen Fastenkursen: „Ich lege ihnen Medienfasten nahe, zumindest die ersten drei, vier Tage." Auch der Kontakt zur Familie sollte auf das Nötigste reduziert werden. Denn wer fastet, wird sensibler, und Alltagsproblemchen werden oft als Belastung empfunden. Dennoch fahren manche zu Terminen, die sich offenbar nicht vermeiden lassen. Für Spahn selbst stand das Fasten am Beginn einer Lebensveränderung: Er arbeitete als Elektrotechniker und dann einige Jahre als Croupier. In dieser Zeit geriet er aus den Fugen: „Ich hatte 103 Kilo und habe 60 Zigaretten am Tag geraucht." Nachdem er sich das Rauchen abgewöhnt hatte, wollte er die Reinigung umfassender angehen. Freunde und Kollegen schlossen Wetten ab, ob er das Fasten drei oder vier Tage durchhält. Er selbst nahm es als Herausforderung. „Das hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe", sagt er. Direkt nach dem zehntägigen Fastenkurs kündigte er seinen Job, nahm ein Jahr Auszeit, in der er weitere zwei Male fasten ging und 25 Kilo abnahm. Heute ist er Personal Coach und selbst Fastenleiter. Reinigung der Seele Der junge Musikproduzent Nenad Markov, der derzeit für das Label Last Lomcovak Records arbeitet, hat gerade seine erste Fastenwoche hinter sich. Wie die meisten kam er zufällig dazu: Er erzählte der Frau seines Partners, dass es mit seiner Lebensweise - kein Sport, ungesunde Ernährung, vor dem Computer sitzen - so nicht weitergehen könne. Sie erzählte ihm von einer Fastenwoche, die sie im Frühjahr im Fastenzentrum Pernegg im Waldviertel besucht hat. Markov: „Ich habe fünf Kilo abgenommen. Aber das Fasten hat mir nicht nur körperlich etwas gebracht. Es reinigt auch die Seele. Am vierten Tag habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Lebensfreude verspürt."
mehr Karriere…
|
Top-Artikel Karriere
Networking-Tipps für introvertierte ManagerBei vielen löst Small Talk oder ein vermeintlich lockerer Umtrunk einen Fluchtimpuls... |
Kommentare… Kommentar hinzufügen…