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"Es traut sich keiner mehr, sich vorne hinzustellen"

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von Kathrin Gulnerits | 25.11.2011 | 00:34

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"Es traut sich keiner mehr, sich vorne hinzustellen"

Interview. Management-Experte Lothar Wenzl fordert mehr Entscheidungsstärke von Managern.

Eizinger

Management-Experte Lothar Wenzl, geschäftsführender Gesellschafter von Train Consulting, sieht einen Mangel an "echtem Dialog" in den Unternehmen. Im Interview sagt er, was Führungskräfte heute beachten müssen und welche Methoden irreführend sind.

WirtschaftsBlatt: Herr Wenzl, Sie sagen, es bringt nichts, an den Führungskräften herumzuschrauben. Vielmehr müssen die Strukturen im Unternehmen verändert werden.

Lothar Wenzl: Man kann ruhig schrauben, aber nur an der Person nutzt es nichts. Wenn sich nichts an den Strukturen im Unternehmen ändert, passiert nichts. Dann können die Führungskräfte die Erwartungen, die an sie gestellt werden, nicht erfüllen. Hinzu kommt: Eigenverantwortung, Entscheidungen treffen etc. wird untergraben, wenn ich sage: Ihr als Führungskräfte müsst Euch ändern-ich als CEO tue nichts. Das ist aber in vielen Unternehmen gängige Methode.

Sie haben erzählt, dass Sie oft viele hyperaktive, atemlose Unternehmen erleben. Woher kommt diese Rastlosigkeit?

Das Tempo insgesamt hat sich natürlich beschleunigt. Und es gibt ständig neue Tools, Methoden, Instrumente. Einen "Frühjahrsputz" macht kaum jemand. Es werden auch nur selten Dinge für beendet erklärt. Dieses Overengineering führt dazu, dass wir keine Einschätzung mehr abgeben können, nicht mehr Stellung beziehen. Man bleibt bei einer Zahl hängen, es findet kein Dialog statt. Es traut sich ja auch keiner mehr, sich vorne hinzustellen.

Ihre Erklärung dafür?

Das führt zu Verantwortung, zu Konsequenz und man wird festlegbar. Wenn aber niemand Regeln festlegt und sagt, Bis hierher und nicht weiter, dann flüchten sich die Mitarbeiter in Fantasien. Auch Gefühle werden konsequent außen vor gelassen. Das kommt wieder, aber es ist ein weiter Weg. Wir haben jahrelang gelernt, dass es nur mit Messen und Objektivieren geht.

Sie können Befragungen und 360-Grad-Feedback nicht viel abgewinnen. Weshalb?

Es ist immer noch besser, so etwas zu tun und gut damit umzugehen, als gar nichts zu tun. Aber alle diese Methoden laden nicht zu einem Dialog, sondern zu einer indirekten Kommunikation ein. Das gilt auch für Management Appraisals. Da kommen Berater von außen, führen ein, zwei Gespräche und sagen der Führungskraft, wie sie ist. Warum machen das nicht die eigenen Führungskräfte?

Ihre Alternative?

Es ist der tägliche Job einer Führungskraft, zu beobachten, hinzuschauen, Schlüsse zu ziehen und Feedback zu geben.

Sehen Sie dennoch ein Umdenken?

Es sind erste positive Beispiele zu sehen. Zarte Pflänzchen, wo es in Richtung weniger Hierachien, mehr Vertrauen und Kooperation geht. Das heißt aber auch, dass die Führungskräfte ihr Ego zurückschrauben müssen. Es ist ein langer Weg bis zu: Ich kontrolliere nicht mehr alles von oben, ich habe nicht mehr alles im Griff.

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1 Kommentar

Entscheidungsstärke fehlt auch in mittelständischen Unternehmen

Diesen Ausführungen von Herrn Wenzl kann ich nur voll und ganz zustimmen. Das Traurige dabei ist, dass es nicht nur in großen Firmen nicht mehr funktioniert, auch in mittelständischen Unternehmen ergibt sich das gleiche Bild. Es wird nach Ausreden gesucht. Schuld sind: Kunden, Lieferanten, Methoden etc. - Overengineering - wie es Herr Wenzl treffend bezeichnet. Dies führt dazu, dass keine zielführende Kommunikation mehr stattfindet. Das Zuhören wurde auch verlernt. Die Motivation ist am Boden - Resignationist der Tod jeden Erfolges. Gruß Sieglinde Götze

Von Gast: götze am 25.11.2011 um 11:08

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