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"Man muss nicht für alle attraktiv sein"

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von Kathrin Gulnerits | 03.02.2012 | 11:52

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"Man muss nicht für alle attraktiv sein"

Warum 500 Bewerbungen auf ein Inserat kein Maßstab sind und wann es sich lohnt zu sagen: "Sie passen wertemäßig nicht zu uns", verrät Personalexperte Christian Wichmann.

beigestellt

"Wenn ein Mitarbeiter wertemäßig nicht passt, geht er, wenn er ein besseres Angebot hat", sagt Christian Wichmann.

Sich als Arbeitgeber ins rechte Licht zu rücken, ist für viele Unternehmen im Hinblick auf Fachkräftemangel und demografische Entwicklung ein absolutes Muss. Welche Rolle dabei Employer Branding spielt und wie Personalisten diesen Begriff einordnen, hat eine Studie von brand:trust erhoben. Befragt wurden 1500 Arbeitnehmer und Bewerber sowie 150 Personalverantwortliche aus Österreich und Deutschland. Studienautor und Markenstrategieexperte Christian Wichmann kennt die Ergebnisse.

WirtschaftsBlatt: Herr Wichmann, Employer Branding ist in aller Munde. Worum es tatsächlich geht, ist laut Ihrer Studie aber nicht allen klar.

Christian Wichmann: Es werden viele Halbwahrheiten verbreitet. Wir wollten einmal in diese Kommunikationsblasen hineinstechen. Es geht eben nicht um tolle Stellenausschreibungen, hübsche Imagebroschüren oder perfekte Recruitingverfahren. Das ist alles oberflächlich. Es geht darum, seine Marke für den Arbeitsmarkt zu positionieren.

Welches Ergebnis hat Sie überrascht?

Es ist schade, wie oberflächlich und auf welche Art und Weise mit Werten operiert wird. Mangelndes Wissen kann ich schulen. Aber wenn sich jemand nicht mit dem Unternehmen identifiziert, wird er sich nicht entfalten.

Sie plädieren dafür, mithilfe von Werten unpassende Bewerber von vornherein abzuschrecken?

Wenn Porsche versucht, mich zu werben, wird es schwierig. Ich fahre kein Auto, bin umweltbewusst. Das bin nicht ich, also bewerbe ich mich auch nicht. Aber wenn ich sehe, die kommunizierten Werte des Unternehmens passen zu mir, dann fühle ich mich angezogen. So kann man Rekrutierungs-und Fluktuationskosten sparen. 500 Bewerbungen auf ein Inserat sind kein Maßstab - zehn passende sind besser. Man muss nicht für alle attraktiv sein. Da muss man mutig sein. Natürlich ist es paradox, im Hinblick auf Fachkräftemangel und Demografie zu sagen: "Sie passen wertemäßig nicht zu uns."

Wie viele tun sich das an?

Intuitiv macht das fast jede Personalabteilung: "Passt der zu uns?", wird gefragt. Strukturiert passiert das aber nicht. Oft heißt es dann: "Der hat so gute Referenzen, den müssen wir einstellen." Nein, muss man nicht. Wenn ein Mitarbeiter wertemäßig nicht passt, geht er, wenn er ein besseres Angebot bekommt.

Die Bekanntheit eines Unternehmens ist nicht alles?

Darauf setzen viele. Wenn sie bekannt sind, aber nicht attraktiv, bringt das nichts. Ich frage mich oft, warum so viel Geld in Kampagnen und Firmenvideos gesteckt wird.

81 Prozent der Befragten in der Studie sagen, dass sie die Werte und Einstellungen der Bewerber prüfen. Glauben Sie das?

Wenn jemand sagt: "Motiviert, offen, belastbar - das sind meine Werte", dann kann man das leicht abprüfen. Wenn ich Werte wie eigensinnig, dynamisch oder international agierend habe, dann braucht es eine viel tiefere Werteprüfung als zu sagen: Ich suche einen teamfähigen Mitarbeiter.

Zur brand:trust Studie

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