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Dialog-backdrop "Mitarbeiter streicheln reicht nicht"Da die Belegschaften immer älter werden, braucht es eine neue Unternehmenskultur, fordert IBG-Geschäftsführer Gerhard Klicka im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt. Zahl:40.000 ArbeitnehmerDas Unternehmen Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement (IBG) wurde 1995 mit dem Anspruch gegründet, Betriebe und Organisationen mittels Gesundheitsförderung zu mehr Produktivität zu verhelfen. Heute ist IBG mit mehr als 165 Mitarbeiter/innen die größte Unternehmensberatung im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement in Österreich.
Die Bilanz von IBG: 515 betreute Firmen, 40.000 betreute Arbeitnehmer, vier Betriebsambulanzen und 4,5 Millionen Euro Jahresumsatz. WirtschaftsBlatt: Zurzeit sorgen ältere Arbeitnehmer vor allem als Frühpensionisten, die das Pensionssystem gefährden, für Schlagzeilen. Was läuft da schief? Gerhard Klicka: Die Arbeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verändert. Durch neue Informations technologien wie Handy oder E-Mail ist die Info-Geschwindigkeit sehr viel höher geworden, und dadurch auch das Arbeitstempo. Dazu kommt, dass die Organisationskultur in den Betrieben - von der Ergonomie bis zur Weiterbildung - an der Prime-Age-Gruppe der 30-bis 40-Jährigen ausgerichtet wird. Das spiegelt sich darin wider, dass für die Altersgruppe 45 plus maximal zehn Prozent des Bildungsbudgets ausgegeben werden. Dazu kommen auch körperliche Veränderungen. Ein älterer Mensch kann nicht mehr so schwer heben wie ein junger. Er kann aber die soziale Kompetenz, die er in vielen Jahren erworben hat, in Verhandlungen oder in der Mitarbeiterführung ausleben. Alter heißt nicht Abbau, Alter heißt Veränderung. Doch trotz oder gerade wegen der demografischen Entwicklung haben ältere Mitarbeiter ein schlechtes Image. Wir haben derzeit eine Überalterung in der Gesellschaft und damit auch in den Betrieben. Das heißt, man muss die Älteren halten, weil jüngere Arbeitskräfte nicht ausreichend nachkommen. Da muss sich ganz dringend etwas am Menschenbild - auch dem der Führungskräfte - ändern. Da wird ja oft gesagt, Ältere sind primär zu teuer, nicht leistungsfähig und wollen nichts mehr lernen. Diese Vorurteile werden schnell zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Denn wenn der Chef von seinem Mitarbeiter nichts mehr erwartet, löst er eine Reaktion aus, die von innerer Kündigung über Frust bis zur Krankheit reicht. Geht deshalb bereits jeder Dritte wegen psychischer Probleme in Frühpension? Ja, denn Anerkennung ist nun mal essenziell für die Motivation. Der Mensch als Sinnwesen will bis ans Lebensende produktiv sein. Allerdings muss sich an unserem Bild von Produktivität etwas ändern. Heute gilt: Wenn ich nicht total gestresst durch die Gänge hetze, bin ich nicht produktiv. Jüngere Menschen können drei Nächte durch arbeiten, ein 40-Jähriger kann das nicht mehr, ohne dass er danach zwei Wochen Erholung braucht. Das heißt aber nicht, dass der Ältere nicht auch produktiv sein kann, wenn die Bedingungen stimmen. Und diese zu gestalten ist die Aufgabe der Führungsebene. Bleibt das Problem, dass Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge in Krisenzeiten gern gestrichen werden. In den vergangenen beiden Jahren hat es tatsächlich einen Einbruch gegeben. Im Moment zieht es aber wieder an. Wichtig ist, beim Begriff der betrieblichen Gesundheitsförderung klar zu differenzieren. In den Führungsetagen hat das immer noch den Touch der Sozialromantik à la Mitarbeiter-Streicheln und Turnen. Das ist zu wenig. In Wahrheit geht es um Fragen der Unternehmenskultur. Das hat nichts mit Turnen oder Rückenschule zu tun. Darum sagen wir unseren Kunden: Wenn ihr Sozialromantik wollt, dann ist es fast besser, Medikamente auszuteilen, als den Mitarbeitern zwecks Firmenmarketing Lauf-Leiberln zu schenken. Nun sind es aber eher die größeren Firmen, die sich eine arbeitsmedizinische Betreuung überhaupt leisten. Die Großen haben es sicher leichter. Da ist Gesundheitsmanagement fast zu einem Muss geworden. Wie effektiv diese Abteilungen sind, sei dahingestellt. Das ist ein jahrelanger Prozess. Grundsätzlich rückt aber die Bedeutung des Gesundheitsmanagements für die Produktivität des Unternehmens mehr ins Blickfeld. Wichtig ist, dass Führungskräfte erkennen, dass sie letztlich für die Arbeitsfähigkeit ihrer Belegschaft Verantwortung tragen. Man kann von den Mitarbeitern nur dann am meisten abholen, wenn man sie nicht ins Burn-out hetzt. Schwierig, weil viele Führungskräfte diesbezüglich nicht mal auf sich selbst achten. Natürlich wirkt hier die Vorbildfunktion. Wenn der Chef bis in die Nacht im Büro sitzt, wird der Mitarbeiter nicht sagen, ich gehe um vier Uhr heim und schaue auf meine Gesundheit. Es geht also darum, die Werte wirklich vorzuleben, und nicht darum, ein schönes Leitbild an die Tür zu heften, Lauf-Leiberln zu verteilen, und zu sagen: Ach, was sind wir nicht für ein gesunder Betrieb! mehr Karriere…
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