von Alexandra Rotter | 25.11.2011 | 00:36
Profiling: So "lesen" Sie Menschen
Patricia Staniek bringt Managern bei, Gesten des Gegenübers zu deuten.
Patricia Staniek
Der Verkäufer sagt: "Ich mache Ihnen folgendes Angebot." Der Kunde schiebt einen Folder, Stift oder einen anderen Gegenstand von sich weg. Eine kleine Geste, die kaum auffällt, aber laut Coach Patricia Staniek viel aussagt: "Das zeigt: Ich habe Ihr Angebot schon abgelehnt." Kein Grund, das Gespräch abzubrechen. Staniek rät "Fragen Sie den Kunden jetzt: Wie müsste ein Angebot gestaltet sein, damit es für Ihre Firma interessant ist?"
Wer lernt, Körpersprache zu deuten und darauf zu reagieren, könne Situationen entschärfen. Die Gefahr dabei sei allerdings, Menschen in Schubladen zu stecken: "Der schaut nach rechts oben, also lügt er." Deshalb sei es wichtig, eine Person als Ganzes -Kleidung, Haltung, Gestik, Mimik - wahrzunehmen.
Keine Manipulation
Dennoch sind Gesten Hinweise auf Gemütszustände. "Die verräterischsten Körperteile sind die Beine", sagt Staniek. Jemand, der etwa bei einer Begrüßung das Bein nach außen dreht, will eigentlich schon wieder weg.
Viele von Stanieks Kunden, die vor allem aus dem Top-Management kommen, möchten lernen, andere zu manipulieren. Doch: "Ich sehe oft, dass das keinen Sinn macht." Je offener ein Gespräch geführt werde, umso mehr Informationen gebe der Gesprächspartner von sich preis.
Dominanz im Daumen
Jeder Finger hat laut Patricia Staniek eine Bedeutung - wer unbewusst einen davon drückt oder damit spielt, zeigt, dass bei ihm gerade bestimmte Gehirnregionen aktiv sind. So steht der Daumen etwa für Dominanz. Kann der Verhandlungspartner etwa nicht von seinen Daumen lassen, zeigt das, dass er gern die dominierende Rolle übernehmen würde.
Arme über der Taille
Armbewegungen, die sich über der Körpermitte abspielen, vermitteln prinzipiell positive Signale. Je offener die Gestik, umso besser. Hält jemand etwa gerne die Hände hinter dem Rücken verschränkt, deutet das auf Unterwürfigkeit hin. Eine negative Stimmung vermittelt, wer die Arme hängen lässt -in Bewerbungsgesprächen verschafft das sicher keinen Startvorteil.
Kleiner Finger für Gesellschaft
Für Gesellschaftliches steht der kleine Finger: Bei Gehaltsverhandlungen ist das Zupfen daran ein Indiz, dass man mit sozialem Aufstieg rechnet. Übrigens: Der Zeigefinger repräsentiert Kritik: Wer ihn bearbeitet, ist mit dem Gesagten nicht einverstanden. Das Spielen mit dem Mittelfinger deutet darauf hin, dass sich jemand schon gestalten sieht. Im Ringfinger steckt die Emotion.
Gesten, die nach unten zeigen
Angela Merkels Lieblingsgeste: Fingerkuppen zusammen und mit den Händen wie mit einem Pfeil nach unten zielen. Laut Patricia Staniek eine eher unglückliche, weil "runterdrückende" Geste. Ein Blick nach unten zeigt an, dass jemand gerade in der Gefühlswelt unterwegs ist, also etwas auf der emotionalen Ebene verarbeitet.
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