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Richtig entscheiden: Kopf oder Bauch?

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von Andrea Möchel | 16.12.2011 | 00:36

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Richtig entscheiden: Kopf oder Bauch?

Manager klagen darüber, immer schneller und meist ohne ausreichende Informationen entscheiden zu müssen. Da hilft dann oft nur noch die "innere Stimme".

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Nach welchen Kriterien entscheiden Manager? Das richtige Bauchgefühl hat sich oft als Vorteil erwiesen

Facts

Sieben Schritte
Peter Galls sieben Schritte zur richtigen Entscheidung:

1. Mit der Entscheidungsfindung nach Erkennen des Problems sofort beginnen.

2. Vollständige Einholung und Aufbereitung der problemrelevanten Informationen.

3. Anwenden von geeigneten Organisationsmethoden in allen Phasen der Entscheidungsfindung, z. B. Präferenzmatrix oder Nutzwertanalyse.

4. Lückenlose Information der mitwirkenden Personen.

5. Ist die geeignete Lösung gefunden, sofort entscheiden.

6. Dokumentation der Entscheidung (für künftige Fälle)

7. Überprüfung der Auswirkungen (Manöverkritik).

Zahl

84 Prozent
der deutschen Manager glauben, dass man eine gute Führungskraft an ihrer Entscheidungsstärke erkennen kann. Das belegt eine Befragung von 560 CEOs durch die "Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft". 78 Prozent sind überzeugt, dass es deutschen Managern leicht fällt, sich zu entscheiden. Zugleich sind 67 Prozent der Meinung, dass die Entscheidungsprozesse in deutschen Firmen zu komplex seien. 83 Prozent beklagen, dass zu viele Personen bei Entscheidungen mitmischen.

Womit man Manager so richtig beleidigt? Wenn man behauptet, er oder sie sei entscheidungsschwach. Etwas Vernichtenderes kann man über Führungskräfte nicht sagen. Denn Entscheidungsfreude gehört untrennbar zum Macher-Image. "Wird nicht entschieden, wird der Manager als schwach und wankelmütig wahrgenommen", bestätigt Peter Gall, Businesscoach und Experte für Zeitmanagement. Nicht von ungefähr lautet ein ungeschriebenes Gesetz: "Besser eine falsche Entscheidung als gar keine."

Wachsender Zeitdruck

Führungskräfte befinden sich also permanent in der Zwickmühle, dass Entscheidungen zügig, aber trotzdem nicht überstürzt getroffen werden sollen. Keine leichte Aufgabe, wie eine Studie des US-Konzerns NCR Teradata belegt: Knapp drei Viertel der befragten Manager klagen, mehr Entscheidungen treffen zu müssen als noch vor einem Jahr. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dabei zunehmend unter Zeitdruck zu stehen. Und nur sechs Prozent glauben, für ihre Entscheidungen stets rechtzeitig alle relevanten Informationen zur Verfügung zu haben. Das bedeutet: Manager müssen auch dann Entscheidungen treffen, wenn sie die gesamte Sachlage gar nicht überblicken. Also wird nicht selten auf Basis von ein paar wenige Fakten "aus dem Bauch heraus" entschieden. Forscher nennen das heute Entscheidungen auf Grundlage von "Mental Shortcuts", das sind Erfahrungsmuster, die für Entscheidungen herangezogen werden.

"Bauchgefühl wird leicht mit Erfahrung oder Routine verwechselt", bestätigt Peter Gall. "Das heißt nichts anderes als in gleichen oder ähnlichen Situationen richtig entschieden zu haben und das Wissen jetzt wieder anzuwenden." Manchmal komme es aber auch vor, dass die Aufgabenstellung nicht richtig verstanden oder in ihrer Dimension unterschätzt wird. Dann neigt man aus emotionalen Gründen dazu, sofort aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Das gilt sowohl für die Macher, die glauben, sofort reagieren zu müssen, um Kompetenz und nur ja keine Schwächen zu zeigen; es gilt aber auch für Entscheidungsschwache, die sich in der Hoffnung, es wird schon gut gehen, auf das Bauchgefühl verkassen.

"Ich überlege - mein Bauch entscheidet", soll schon der Wirtschaftspionier Max Grundig gesagt haben. Dass der Mann damit so falsch nicht lag, bestätigten mittlerweile mehrere Studien: Sie weisen nach, dass das menschliche Gehirn bei komplexen Entscheidungen überfordert ist, und das Bauchgefühl meist zu besseren Ergebnissen führt. Da der Bauch tatsächlich ähnliche Strukturen wie das Gehirn aufweist, sprechen Wissenschaftler gar von einem "Bauchgehirn". Viele Entscheidungen sind also bereits gefallen, bevor diese ins Bewusstsein gelangen, wo sie dann im Nachhinein rationalisiert werden.

"Deshalb ist es am besten, man denkt zuerst nach und trifft eine Vorentscheidung, setzt diese aber nicht sofort um", rät US-Psychologe Antonio Damasio. "Anschließend stelle man sich vor, die Entscheidung wäre gefallen. Wie fühlt sich das an?" Bei einem guten Bauchgefühl kann die Entscheidung gefällt werden, sagt Damasio. Bei Bauchweh sollte man lieber nochmals zurück an den Start.

Erfahrung hilft

"Meines Erachtens ist es nicht ratsam, seine Entscheidungen nur auf die innere Stimme hin zu treffen", warnt indes Peter Gall. "Im Wirtschaftsleben muss man über die erforderlichen Informationen verfügen und diese auch verstanden haben." Allerdings räumt er ein, dass Manager letztlich "mehr oder weniger auf ihren Bauch hören, weil jeder Mensch eben auch emotionsgesteuert ist". Man kann dem aber gegensteuern, indem man Organisationstechniken einsetzt, die objektive Grundlagen für eine Entscheidung bieten (siehe Kasten). Aber was ist mit jenen Menschen, die eher zu den Zauderern gehören? Ist ihnen der Weg in die Chefetage verwehrt?

Nein, sagt Peter Gall. Denn: "Entscheidungsstärke ist erlernbar und wird immer besser, je mehr Routine, Erfahrung und geeignete Entscheidungstechniken ins Spiel kommen." Und wenn es trotzdem nicht gelingt, schnell zu entscheiden? Trifft ein Manager keine Entscheidung, dann müsse er das fundiert begründen. "Man kann zum Beispiel erklären, dass die Unternehmensstrategie noch nicht feststeht."

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