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Übermaß an Arbeit ist ungesund

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von Sandra Knopp | 18.11.2011 | 00:33

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Übermaß an Arbeit ist ungesund

Bei übermäßiger Arbeitsbelastung werden Magenschmerzen und Schlafstörungen häufiger. Im Interview sprechen Expertinnen über Pausengestaltung, Sonntagsarbeit und altersgerechte Arbeit.

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Anna Wirtz, Psychologin, Harvard School of Public Health

ZUR PERSON

Anna Wirtz absolvierte ihr Psychologie-Doktoratsstudium an der Universität in Oldenburg (D) und forscht derzeit an der Harvard School of Public Health in Boston. Sie untersucht u. a. gesundheitliche und soziale Folgen von langen, flexiblen und irregulären Arbeitszeiten.

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Christine Klien, Arbeitsmedizinerin

ZUR PERSON

Christine Klien ist Geschäftsführerin der "ameco Health Professionals". Die Arbeitsmedizinerin leitet zudem die Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin. Diese erforscht arbeitsbedingte gesundheitliche Gefährdungen, um vorbeugende Maßnahmen zu entwickeln.

Ein Arbeitsausmaß jenseits der 40-Stunden-Woche, Stress und wenig planbare Arbeitszeiten schaden nicht nur dem sozialen Leben, sondern wirken sich oft negativ auf die Gesundheit aus. Studien zeigen, dass mit zunehmender Wochenarbeitszeit Magenschmerzen und Schlafstörungen häufiger werden. Zu den gesundheitlichen Gefährdungen durch übermäßige Arbeitsbelastung bzw. präventiven Maßnahmen forschen Arbeitsmediziner und -psychologen. Das WirtschaftsBlatt mit zwei Vertreterinnen dieser Disziplinen über Pausengestaltung, Sonntagsarbeit und altersgerechte Arbeit gesprochen.

WirtschaftsBlatt: Thema Sonntagsöffnung: Ist der Erholungswert eines freien Tages unter der Woche vergleichbar mit Wochenenden?

Anna Wirtz: Die Freizeit hat einen unterschiedlichen Nutzwert. So kann man die meisten sozialen Aktivitäten an den Abenden oder am Wochenende ausführen. Generell wird der Freizeitnutzen am Wochen ende, speziell am Sonntag, höher bewertet als an Wochentagen. In der Gesellschaft hat sich ein soziales Muster gebildet. Die Wochenenden nutzt man mit Familie und Freunden oder engagiert sich in Vereinen. Durch Arbeit an solchen Tagen geht mehr soziale Zeit verloren als an einem Wochentag.

Steigt durch Sonntagsarbeit die Belastung für Arbeitnehmer?

Wenn man Menschen nach ihrer Work-Life-Balance fragt, inwieweit sich Arbeitszeit mit privaten Interessen vereinbaren lässt, dann schätzen sie Arbeit am Sonntag sehr oft als belastend ein.

Wie können sich flexible Arbeitszeiten auf den Arbeitnehmer auswirken?

Falls Planbarkeit fehlt, hat das meiner Meinung nach Einfluss auf psychische Beeinträchtigungen. Wenn der Chef anruft und zur Arbeit ruft, hat man seine Zeit oft anderweitig verplant, beziehungsweise Eltern müssen dann Kinderbetreuung organisieren. Es führt zu Stress und zu gesundheitlichen Beschwerden, wenn das oft passiert.

Ist es möglich, bei flexiblen Arbeitszeiten vorauszuplanen?

Flexibilität ist gut planbar, wenn man sich überlegt, wann die größte Auslastung sein muss. Viele Unternehmen können aus dieser Erfahrung vorausplanen. So wissen etwa Callcenter, zu welcher Stunde viele Anrufe eingehen. Abweichungen können passieren, aber die Grundauslastung lässt sich personaltechnisch planen. Diese Verantwortung liegt bei den Betrieben.

Wie kann man die Arbeitskraft bis ins hohe Alter erhalten?

Die Gesamtbelastung soll so gewählt werden, dass man langfristig gesund arbeiten kann. Das heißt, nicht erst bei Über-50-Jährigen zu beginnen, sie weniger arbeiten zu lassen. Ich spreche von altersgerechten und nicht altersgerechten Arbeitssystemen. Auch wenn junge Menschen bestimmte Arbeitsbedingungen eine Zeit lang gut aushalten können, heißt das nicht, dass man ihnen alles aufbürden darf und Ältere von anstrengenden Bereichen fernhalten sollte.

 

WirtschaftsBlatt: Was macht eine gesunde Arbeitszeit aus?

Christine Klien: Gesunde Arbeit hängt von verschiedenen Faktoren ab - etwa von der Tageszeit, vom Ausmaß der Arbeitszeit sowie der Belastung. Arbeitsbelastung ist nicht für jeden Menschen gleich und hängt auch mit den Arbeitsinhalten zusammen. Zu lange Arbeitszeiten haben einen schlechten Einfluss auf die Gesundheit.

Das Pensionsantrittsalter wird immer höher. Wie sieht es mit der Arbeitsbelastung von älteren Menschen aus?

Was sich sicher mit dem Alter verändert, ist die Beanspruchbarkeit von Menschen mit bestimmten Belastungen. Schnelligkeit und Informationserfassung können im Alter etwas nachlassen. Dafür hat man andere Qualitäten, wie etwa mehr Routine sowie Überblicksdenken und Gelassenheit. Unfälle passieren häufiger bei jungen Mitarbeitern, denen oft noch Erfahrung fehlt.

Wie kann die Pausengestaltung optimiert werden?

Nach sechs Stunden Arbeit gibt es laut Arbeitszeitgesetz eine halbe Stunde Pause. Es ist psychologisch wichtig, aber auch schwierig, Pausen früh genug zu machen, nicht erst, wenn man erschöpft ist. Dazu braucht man Erfahrung mit sich selbst. Bei jeder Arbeit darf man sich selbst nicht vergessen, um festzustellen, wann und ob eine kurze Erholung notwendig ist. Das muss nicht lang sein, sondern kann auch ein Blick aus dem Fenster oder ein Gespräch sein.

Smartphone, BlackBerry und Co. sorgen für permanente Erreichbarkeit von Beschäftigten auch in der Freizeit. Wozu führt das?

Es ist verführerisch, in der Arbeitszeit für das Private ständig erreichbar zu sein und umgekehrt -aber das geht einfach nicht. Das Hirn braucht genauso Ruhephasen wie der Körper.

Bundesminister Rudolf Hundstorfer hat kürzlich gesagt, dass Österreich ein Spitzenreiter im Überstundenmachen ist. Warum ist so viel Mehrarbeit notwendig?

Das ist unterschiedlich. Bei den einen mag das Geld eine Rolle spielen, bei anderen der Arbeitgeber oder auch Überengagement. Aber diese anfängliche Freude an der Arbeit, etwa bei Projektarbeit, kann dazu führen, dass man nicht merkt, wann es zu viel ist. Begeisterung und Engagement sind toll, aber man muss achtsam mit sich selbst umgehen.

 

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