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"Vom Wohlfahrtsdenken zum Wert von Menschen"

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von Sandra Knopp | 02.12.2011 | 09:48

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"Vom Wohlfahrtsdenken zum Wert von Menschen"

Caroline Casey will Unternehmen das Potenzial von Menschen mit Behinderung deutlich machen. Kürzlich war sie auf Einladung von Business Circle in Wien.

WB/Peroutka

Caroline Casey sagt was beim Umgang mit behinderten Menschen zu beachten ist.

Die schwerst sehbehinderte Caroline Casey ist als Gründerin der Non-Profit-Firma "Kanchi" vor allem durch die Etablierung der "Ability Awards" bekannt. Dadurch werden Unternehmen ausgezeichnet, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzen. Das WirtschaftsBlatt hat mit ihr im Rahmen des Unternehmerforums von Business Circle gesprochen.

WirtschaftsBlatt: Ihr Non-Profit-Unternehmen Kanchi will das Denken über Menschen mit Behinderung verändern. Wie soll das aussehen?

Caroline Casey: Menschen mit Behinderung sollten zuerst als Menschen gesehen werden. Unser Denken beruht noch oft auf Mitleid. Wir aber wollen ihr Potenzial Unternehmen und dadurch der Gesellschaft näherbringen: Weg vom Wohlfahrtsdenken, hin zum Wert des Menschen.

Welchen Vorteil sollen Unternehmen daraus ziehen?

Menschen mit und ohne Behinderung haben denselben Wert. Es geht darum, nicht nur die Behinderung, sondern die Kaufkraft zu sehen. Weltweit sind eine Milliarde Menschen behindert. Zum Disability Business Case gehört es, behinderte Menschen als wertvolle Geschäftspartner und Mitarbeiter zu sehen.

Sie sind beinahe blind. Hat diese Behinderung zu Ihrem Engagement beigetragen?

Meine Eltern haben mich als sehendes Kind erzogen und mir bis zu meinem 17. Geburtstag nicht das wahre Ausmaß meiner Erkrankung mitgeteilt. Ich zeigte meine Behinderung dann nicht im Berufsleben, bis sich vor zehn Jahren meine Sehkraft verschlechterte. Derzeit liegt sie bei zehn Prozent. Für eine Spendenaktion reiste ich 2001 nach Indien und erfüllte mir den Traum, wie Mogli aus dem Dschungelbuch mit Elefanten zu reisen. Auf dem Rücken meines Elefanten Kanchi kam mir die Idee, Wirtschaft und Behinderung zu verknüpfen.

Seit 2004 zeichnet Kanchi mit dem "Ability Award" irische Unternehmen aus, die sich für Menschen mit Behinderung engagieren. Was hat sich dadurch verändert?

Die Awards werden alle 18 Monate verliehen. Eine intensive Medienkampagne begleitet sie im Vorfeld. Geschäftsführer von Firmen, die sich bewerben, sprechen ausführlich über das Thema Behinderung. Das trägt zu einem positiveren Bewusstsein bei. Heuer haben wir die Ability Awards nach Spanien exportiert.

Sie verfügen über ein Unternehmensnetzwerk. Was wird häufig gefragt?

Oft wissen Firmen nicht, wo sie Mitarbeiter mit Behinderung finden. Andere fürchten sich, bei Fehlern im Umgang verklagt zu werden. Angst ist die Basis des Problems. Das müssen wir normalisieren. Dazu gehört unser "Kanchi-Standard", der mit Behindertenvertretern und Unternehmen entwickelt wurde. Im Juni 2012 wird der Standard am irischen Markt eingeführt.

Haben soziale Unternehmen in der Krise eine Bedeutung?

Unser Team in Irland besteht aus zehn Menschen, in Spanien ist es größer. Ich werde zusätzliche Mitarbeiter einstellen und nicht entlassen. Wir hoffen nun, weitere Länder für den Ability Award zu interessieren.

Das Interview führte Sandra Kopp

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