von Thomas Jäkle | 20.12.2011 | 18:45
„Stiftungen drohen, nur Verwalter zu werden“
Ludwig Szinicz, 72-jähriger Gründer des Welser Anlagenbauers TGW, gewährt Einblick, wie sein Lebenswerk in zwei Stiftungen fortbesteht, die sich gemeinnützig engagieren.
Ludwig Szinicz - TGW Privatstiftung und Future Wings Privatstiftung
Zitiert
Ludwig Szinicz
Die Stiftung ist wie eine Milchkuh, die niemandem gehört
WirtschaftsBlatt: Sie haben TGW in über 30 Jahren von einer Schlosserei zu einem Anlagenbauer gemacht und das Vermögen in eine Stiftung eingebracht. Was war der Grund?
Ludwig Szinicz: TGW war bis zum Jahr 2000 ein von zwei Pionieren geführtes Unternehmen. Wir haben uns dann Gedanken gemacht, was sein wird, wenn wir unseren Beitrag nicht mehr leisten können.
Waren Sie sich einig?
Mein Ex-Partner und guter Freund Heinz König meinte, dass so, wie wir gearbeitet haben, das künftig nur einer machen kann. Ich plädierte aber für ein Management, das TGW fortführen solle. Wir hatten festgelegt, dass derjenige, der aussteigen will, seinen Teil bekommt. Die Zeit war günstig. Es war eine Boomphase, die Auftragsbücher voll. Es war die Chance für einen geordneten Übergang mit geringen Risiken. Anfang 2000 hatten wir 600 Mitarbeiter. An drei Mitarbeiter, die das Unternehmen kannten, wurde die Führung übergeben.
Warum haben Sie eine Stiftung gegründet?
Es war die beste Rechtsform, das Vermächtnis fortzuführen. Die Stiftung ist wie eine Milchkuh, die niemandem gehört, aus der kein Schnitzerl rausgeschnitten werden darf, die aber Erträge abliefert.
Das heißt konkret?
Zwei Drittel der Milch bleiben im Unternehmen - um Wachstum zu finanzieren oder Risikorücklagen zu bilden. Das restliche Drittel wird an die Begünstigten ausgeschüttet. Die drei Manager erhalten davon 30 Prozent. Weitere 30 Prozent der Ausschüttung der TGW Privatstiftung bekommt die Future Wings Privatstiftung, die derzeit sieben gemeinnützige Projekte für Jugendliche unterstützt.
Warum haben Sie die verschachtelte Stiftungskonstruktion gewählt?
Vor Gründung der Future Wings Privatstiftung sind aufgrund der Kapitalertragssteuer nur rund 50 Prozent der Spenden bei Future Wings angekommen. Nun sind es nur noch 30 Prozent Steuerabzug.
Stiftungen haben das Image der Bürokratie und Verminderung der Flexibilität.
Stiftungen drohen, nur noch zum Verwalter von Unternehmen zu werden - das ist die Gefahr. Stiftungen müssen aber wirtschaftlich denken, innovativ und mutig entscheiden und Chancen ergreifen.
Stiftungsvorstände sehen das anders. Sie sind verpflichtet, dass Vermögen nicht verschleudert wird.
Auch Stiftungsvorstände müssen Managern Freiheiten geben, damit Unternehmen nicht der Stillstand droht. Das Problem sind die Haftungen der Vorstände. Daher ist es wichtig, den richtigen Mix im Vorstand zu haben - aus Anwälten und Managern, die den Stifterwillen verstehen. Solange der Stifter lebt, hat er am Papier zumindest ein Vetorecht, wenn er wie ich im Management-Board als Berater sitzt.
Warum sind Sie nicht mehr in der TGW-Gruppe tätig?
Entweder ist man operativ tätig oder gar nicht. Mann muss sich im Klaren sein, dass man den Nachfolgern das Unternehmen abgeben muss, damit sie Erfolg haben können. TGW hat binnen zehn Jahren den Umsatz auf 300 Millionen € mehr als vervierfacht, ist mit 1300 Beschäftigten doppelt so groß und erzielt eine Umsatzrendite von sechs Prozent, somit fast zwei Punkte höher. Und das Unternehmen expandiert, etwa in die Türkei, nach China und nach Südamerika.
Ein bisschen Wehmut angesichts der Entwicklung?
Ich freue mich, dass der Übergang sehr gut geklappt hat. Ich befasse mich heute umso mehr mit den „Lernen & Wachsen"-Projekten, die Jugendlichen auf die Sprünge helfen und sie auf die Zukunft vorbereiten. Das war auch ein großes Anliegen von mir, als ich die Stiftung 2004 gegründet habe.
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