von Thomas Jäkle | 06.10.2009 | 19:24
Z-Faktor: Die Gleichung mit vielen (Un-)Bekannten
Krisenfrüherkennung - Wahrheiten aus den Zahlen lesen
„Es ist das nicht Wahrhaben-Wollen, sich der Realität nicht stellen wollen, dass viele Unternehmen in der jetzigen Krise geradewegs zum Sanierungsfall, im Extremfall sogar zum Konkursfall werden", erklärt Marcus Bartl, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei BDO Auxilia Treuhand in Wien. Wenn erste Warenlieferungen in Krisensituationen ausbleiben, dann ist die Krise im Unternehmen angekommen. „Es ist dann oft schon zu spät", warnt Bartl.
Hausgemachte Pleite
Nach Erhebungen des Kreditschutzverbands KSV sind 40 Prozent der Ursachen einer Insolvenz auf innerbetriebliche Fehler zurückzuführen, 15 Prozent lagen Fahrlässigkeit und zehn Prozent persönliches Verschulden zugrunde. Summa summarum sind rund zwei Drittel der Pleiten hausgemacht und an der Adresse des Unternehmers zu suchen. Externe Auslöser (16 Prozent), Kapitalmangel und sonstige Ursachen (drei Prozent) machen das restliche Drittel aus.
„Was so nicht sein müsste", meint Bartl. Gibt es doch genügend, vor allem auch einfache Methoden zur rechtzeitigen Bestimmung von Fakten, ob ein Unternehmen von einer Krise betroffen werden kann. „Auch wenn noch keine sichtbare Gefahr besteht", sagt Bartl, heißt es das Frühwarnsystem einzuschalten, statt in die „Glaskugel zu schauen".
Der Z-Faktor bietet einen ersten Überblick. Unternehmer können den Z-Faktor relativ einfach selbst berechnen und interpretieren (s. Kasten). Das Insolvenzprognoseverfahren des Finanzprofessors Edward I. Altman von der New York Unversity liefert eine Kurzzeitprognose mit Zeithorizont von einem Jahr. Die Formel habe sich laut Bartl über die vergangenen vier Jahrzehnte als recht treffsicheres Risikoprofil für die Früherkennung erwiesen.
Neben allgemeinen Informationsquellen wie Kennzahlensystemen und Abweisungsanalysen, Gespräche mit Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und Betriebsräten sowie dem Bericht der Abschlussprüfer gibt es weitere statistische Methoden mit unterschiedlich hoher Komplexität. Dazu zählen Ratingsysteme der Banken (Basel II), Simulationsmodelle von Kreditauskünften oder Kreditversicherungen.
Weitere Prognosen
Die tatsächliche Beurteilung eines Unternehmens, ob es sanierungsbedürftig ist, wie etwa auch eine steuerschonende Sanierung vollzogen werden kann, sei aber nur mit einer vertieften Analyse möglich, so Bartl. Der Vermögensstatus sowie die Fortbestehensprognose können zusätzliche Grundlagen zur Bestimmung einer insolvenzrechtlichen Krisensituation bieten. Näher unter die Lupe genommen werden mögliche Insolvenzauslösegründe. Zentrale Frage: Kann das Unternehmen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit betrieblich agieren unter Einhaltung der Zahlungsverpflichtungen?
Wichtig für die Haftung: Eine Ressortaufteilung entbindet Organe nicht von der Verantwortung.
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