von Manfred Mader | 04.08.2008 | 16:36
„Hier spielt die Premier League des Mobilfunk“
Der One-Boss über die bevorstehende Umbenennung in Orange, die Prioritätensetzung in Brüssel und warum ihm der Job trotz brutalem Preiskampf immer noch Spaß macht.
WirtschaftsBlatt: Der Preiskampf auf dem Mobilfunkmarkt wütet zur Zeit zwischen One und Telering besonders heftig, inklusive Klage und einstweiliger Verfügung.
Michael Krammer: Der Höhepunkt wurde in Wahrheit mit der Einführung der Flatrate vor über einem Jahr erreicht. Einzigartig ist allerdings die Art des Guerrilliamarketings, zu der T-Mobile neuerdings greift. (Anm:Direkt-Mailings an One-Kunden, mit der Aufforderung, zur T-Mobile-Tochter telering zu wechseln). Die Verzweiflung muss schon sehr groß sein, wenn ein renommierter Konzern solche Methoden braucht.
One wiederum bietet sowohl mobiles Internet als auch Flatrate-Telefonie bis Jahresende ohne Grundgebühr an. Wird da eine Braut aufgeputzt, bevor sie verheiratet wird? Es gibt Gerüchte, dass Hutchinson 3G One kaufen will, um eine kritische Größe zu erreichen.
Das ist der größte Schwachsinn, den ich überhaupt jemals gehört habe.
Wieso? Dem französischen Mobilfunker Orange gehören seit einem Jahr 35 Prozent von One. 65 Prozent sind im Besitz des Finanzinvestors Mid Europa Partners. Der könnte sagen, in Österreich lässt sich im Mobilfunk nichts mehr verdienen, wir ziehen uns zurück.
In rund zwei Wochen gibt es unsere Halbjahreszahlen. Da werden Sie sehen, dass man sehr wohl in Österreich etwas verdienen kann, wenn man ordentlich wirtschaftet. Mid Europa Partners ist ein seriöser Finanzinvestor mit großer Erfahrung in der Telekommunikationsbranche. Und seriöse Investoren steigen üblicherweise nach fünf bis sieben Jahren aus, nicht nach einem Jahr.
Wie schaut der Zeitplan bei der Umbenennung von One auf Orange aus?
Im Herbst startet die Transition-Phase, in der kommuniziert wird, dass One zu Orange wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit noch heuer wird es den O-Day geben, an dem die Unbenennung stattfindet.
Das fällt dann genau in das für den Mobilfunk so wichtige Weihnachtsgeschäft.
Wenn wir es schaffen, das gesamte Weihnachtsgeschäft schon als Orange zu bestreiten, werden wir das tun. Geht sich das nicht aus, wird der Wechsel erst im neuen Jahr stattfinden.
Kommen wir zum Thema Regulierung:Die EU-Kommission plant, nach der Sprachtelefonie auch im Datenroaming Höchstpreise vorzugeben. Wie sehr trifft sie das?
Ich freu' mich, dass wir in Brüssel Kommissare sitzen haben, die sich in Zeiten, wo Lebensmittel- und Spritpreise explodieren, Gedanken machen, ob ein SMS 25 oder 15 Cent kosten soll. Da kann ich nur sagen: Bravo, hier werden die Prioritäten klar erkannt. Ich sehe nur ein Problem: Wenn es mit den Beschränkungen der europäischen Telekomunternehmen so weiter geht, werden diese bald von der China Telecom oder ähnlichen Unternehmen, die nicht solchen Restriktionen unterliegen, übernommen.
Macht es bei der akutellen Preissituation noch Spaß, im Mobilfunkgeschäft tätig zu sein?
Natürlich. Ich sehe das so. In Österreich spielt die Premier League des Mobilfunkgeschäftes. Einen kompetitiveren Markt gibt es nirgends sonst in Europa, wahrscheinlich auf der Welt. Hier setzen sich die besten durch.
Kommentare… Kommentar hinzufügen…