Selten eignet sich ein Thema so sehr für nachhaltigen Misserfolg im Unternehmen wie der Generationenwechsel durch Betriebsübergabe in einem Familienunternehmen. Die „Anleitung zum Familienbetriebsübergabe-Inferno“ garantiert Ihnen bei konsequenter Befolgung herausragende Ergebnisse. Ein Chaos in der Nachfolgeregelung will durchdacht sein und bedarf intensiver Planung. Die folgenden fünf Gebote führen zuverlässig zum „Familienbetriebsübergabe-Inferno“: Ändern Sie einfach Ihre Sicht der Dinge.
Gebot eins: Sehen Sie als Seniorchef das Abgeben von Kompetenzen als das, was es wirklich ist: höchst riskant und zu vermeiden. Die besten Betriebsübergaben sind in Wirklichkeit diejenigen, bei denen der Alt-Geschäftsführer als „heimlicher Boss“ alle Fäden in der Hand hat und sich Vetorechte vorbehält. Bleiben Sie als „graue Eminenz“ im Hintergrund, sorgen Sie aber dafür, dass ohne Ihr Okay nichts geht. Lassen Sie Macht und Geschäftsanteile keine Sekunde los. Geben Sie Kompetenzen für Nichtigkeiten wie Briefpapierbestellung und die neue Wanddekoration großzügig weiter und sichern Sie sich die volle Kontrolle über Entscheidungen bei Mitarbeitern und Finanzen.
Gebot zwei: Sehen Sie eine stufenweise Arbeitsübernahme der Nachfolgegeneration als das, was sie wirklich ist: etwas für Weichlinge. Das „Hineinwachsen“ in den Betrieb der Eltern funktioniert für die Jugend am besten mit der vollen Arbeitsbelastung ohne Entscheidungsbefugnisse ab dem ersten Tag. Schonen Sie niemanden, erst recht nicht Ihre Kinder. Erst gibt man die Arbeit ab, dann lange nichts und irgendwann vielleicht den Betrieb. Von unseren Skifahrern wissen wir, dass man die Nachwuchsrennläufer gleich auf der Kitzbüheler Streif die Mausefalle hinunterspringen lässt. Herantasten an die Geschwindigkeit und Konditionsaufbau in Etappen sind auch im Spitzensport nicht gefragt. Warum sollten Ihre Kinder in den Genuss abgestimmter Arbeitsbelastung kommen?
Gebot drei: Sehen Sie die Kontrolle des Tagesgeschäftes als das, was es wirklich ist: Ihre Hauptaufgabe. Kümmern Sie sich ganz nach Belieben um sämtliche Belange Ihrer Wahl. Man kann nie wissen, ob nicht irgendwo „falsch“ gearbeitet wird. Misstrauen Sie den Entscheidungen Ihrer Kinder. Keiner weiß so gut wie Sie selbst, was welcher Kunde wünscht und wie gut welcher Lieferant ist. Das Tagesgeschäft ändert sich niemals. So wie es gestern war, wird es auch morgen sein.
Gebot vier: Sehen Sie das Familienunternehmen als das, was es wirklich ist: ein Seitenarm der Familie. Die Rangordnung ist hier wie da die gleiche, diese muss stets berücksichtigt und darf nicht übergangen werden. Nehmen Sie unternehmensinterne Krisen mit nach Hause und private Krisen mit in die Arbeit. Bearbeiten Sie berufliche Fragestellungen mit Lösungen aus dem Privatbereich. Denken Sie daran: die Familie ist der Betrieb und der Betrieb ist die Familie.
Gebot fünf: Sehen Sie sich als das, was sie wirklich sind: als Familienoberhaupt einfach genial. Niemals dürfen Sie vergessen, dass der sicherste Weg zum Familienbetriebsübergabe-Inferno über Ihr Selbstverständnis als Seniorchef führt. Seien Sie von sich überzeugt, kontrollieren und kritisieren Sie Ihre Kinder, und vor allem Ihre Schwiegerkinder, bei jeder Entscheidung. So bleiben Sie nachhaltig in Erinnerung.
* Christian Pongratz ist Gründer des Consulters durchdacht.cc sowie Veranstalter von Seminaren unter betriebsdesaster.cc